und „Die Rente mit 67 ist unerlässlich“
Koch ist wohl ziemlich sicher, dass er die nächsten hessischen Landtagswahlen gewinnen wird. Nach dem Schauspiel, das die SPD und nicht nur ihre Spitzenkandidatin Ypsilanti in Hessen bieten, kann man das wohl auch sein.
Da plaudert es sich leicht. Koch findet, wir arbeiten zu wenig. Außerdem spricht er sich gegen Steuer- und Abgabensenkungen aus. In einem Interview mit der Wirtschaftswoche ließ Koch die Katze aus dem Sack. Wie gesagt, der Mann kann sich eines Wahlerfolges auf Landesebene eben sicher sein. Da kann man seine wahren Überzeugungen auch mal aussprechen. Insofern sollte man Ypsilanti vielleicht sogar noch dankbar sein.
Hoffentlich wird das Interview von möglichst vielen Hessinnen und Hessen gelesen. Aber selbst, wenn das nicht so ist, sie werden schon wissen, was sie sich mit Koch antun, wenn sie die CDU wählen. Für mich ist jedenfalls die Vorstellung, dass Koch sich durchsetzt, das will ich ehrlich sagen, abstoßender als die Idee, dass die SPD und die Linkspartei zusammenarbeiten werden.
Wohin führt die fortbestehende Abgabenlast für die Bürger, die Herr Koch in einem Atemzug mit seinen anderen Überzeugungen propagiert? Nun, vielleicht zu einem weiteren Abbau der Staatsverschuldung zugunsten nachfolgender Generationen. Das wäre der positive Fall. Wenn unserer Staatskrake allerdings, was wohl als natürlich unterstellt werden muss, die Tentakeln nachwachsen, also ihr Bedarf an zusätzlichen Steuern wieder zunimmt, haben nämlich sowohl die heutigen als auch die künftigen Generationen verloren. Und wer mag das schon ausschließen?
Inzwischen wird wieder mehr gearbeitet. 40 Stunden sind vollkommen normal. Arbeitslose gibt es aber immer noch. Schade, Herr Koch, dass Sie und ihre Klientel uns von der Wirksamkeit Ihrer Propaganda nicht überzeugen können. Für die Arbeitgeber ist das billiger. Sicher. Die können Arbeitsplätze einsparen, wenn das Stammpersonal mehr arbeiten muss. Eigentlich eine einfache Rechnung.
Die Rente mit 67. Noch so ein Popanz. Kürzlich war ich geschäftlich bei einem unserer Großkunden. Beim Durchgang durch einen Teil der Büros sah ich kaum Leute über 40. Die meisten waren nach meiner Beobachtung so Anfang, Mitte 30. Wo sind eigentlich all die 50-60jährigen Arbeitnehmer? Wo haben die sich denn versteckt? Zunächst sollte man also dafür sorgen, dass wieder mehr Leute in diesem Alter auch noch eine vernünftige Chance auf dem Arbeitsmarkt erhalten und nicht in irgendwelchen staatlichen Maßnahmen „versteckt“ werden! Ich (54) achte natürlich besonders darauf, wie alt die Leute in meinem Arbeitsumfeld sind. Ich kann versichern, dass ich auch in meiner Firma zu den ganz wenigen Leuten gehöre, die über 50 Jahre alt sind. Was sollen unter diesen Voraussetzungen Forderungen, wie sie ja natürlich keineswegs nur von Herrn Koch gestellt werden? Irgendwas passt da doch nicht zusammen.

Quelle: Bundesagentur für Arbeit, Bericht Juli 2008