Die verdichtete Wirklichkeit des Henryk M. Broder

Autor: Horst Schulte | abgelegt in Gesellschaft, Medien | am 05-04-2008

Scheinbar gern bezieht er sich auf Leute, die auf gesellschaftliche Normen pfeifen. Leute, die so sind, wie er sich selbst wohl gern sieht. Ihr Handeln benutzt er für seine Zwecke und interpretiert es in seinem Sinne. Damit provoziert er bewusst und gern viele derjenigen, die er als die Lippenableser des Mainstreamjournalismus entlarvt zu haben glaubt.

Meistens sind das die Gutmenschen, manchmal auch die politisch Korrekten, aber am allerliebsten ist es ihm natürlich, wenn es Linke sind, auf die per se diese Eigenschaften ohnehin immer zutreffen. Dann läuft er sogleich zur Höchstform auf und hält uns einen riesigen, wenn auch ziemlich beschlagenen Spiegel vors Gesicht.

Er unterstellt nicht etwa nur denen, die er so gerade frontal angreift, sie seien einfach zu doof, das gerade aktuelle Thema zu erfassen oder sich rational hierauf einzustellen. Er demonstriert in einer schon fast schmerzhaften Art, was er von seiner Leserschaft hält. Er erzeugt nicht selten bei mir das Gefühl, ihm im Grunde dafür dankbar sein zu müssen, dass er sich überhaupt dazu herablässt, uns in seinen Artikeln die ganze Tragweite unserer Ignoranz und Dummheit klar zu machen.

Geert Wilder ist also kein Rechtspopulist. Dafür ist er ein lupenreiner Liberaler. Geschenkt!

Was er (Wilders) jedenfalls tut, ist in meinen Augen nicht der Akt eines Mannes, der sich mutig gegen einen menschenverachtenden und verabscheuenswerten Islamismus richtet. Wilders will Popularität – und das offenbar um jeden Preis. Seiner Jünger kann er dabei sicher sein. Broder gehört scheinbar dazu. Und genau das glaube ich nicht! Er kocht seine ganz persönliche und auch nicht ganz klare Brühe.

Politiker, auch Journalisten, behaupten gerne, dass man die Klugheit der Bevölkerung nicht unterschätzen solle. In Wahrheit aber glauben die meisten, wir seien einfach zu blöd, manche Zusammenhänge zu erkennen. Broder ist in dieser Beziehung auch keine keine Ausnahme. Im Gegenteil: Er meint sogar, er müsse uns seine Wahrheit als die einzige, die allein gültige verkaufen und nervt uns mit seinen teilweise wenigstens unterhaltsam geschriebenen, doch immer auch provozierenden Artikeln. Dieser (s. Link) ist dafür ein schlechtes gutes Beispiel.

Offenbar hält Broder doch, wie ich schon sagte, die Mehrheit seiner Mitbürgerinnen und Mitbürger für blöde, einfältige Spießer, die sich ein X für ein U vormachen lassen. Aber die Leute machen sich durchaus ein differenziertes Bild und sie haben Wilders als jemanden entlarvt, dem offenbar nichts wichtiger ist, als seine eigene Popularität. Wenn nicht alle, so doch die meisten der „Botschaften und Informationen“, die in Fitna zu sehen sind, waren längst bekannt. Schon deshalb muss man sich fragen, weshalb Wilders „Aktion“ so viel Beachtung zugekommen ist.

Grundsätzlich finde ich es gut, wenn man durch Provokation zu anderen und evtl. neuen Denkansätzen kommt. Aber darum ging es weder Wilders noch Broder. Beide wollten auf ihre eigene, unsägliche Art und Weise provozieren. Die Motive dafür waren so unterschiedlich nicht. Und genau das wird uns in solchen Fragen bestimmt nicht weiterhelfen.

Van Gogh, Wilders und Fortuyn: Die Provokateure und ihre Zuarbeiter

Autor: Horst Schulte | abgelegt in Gesellschaft | am 16-03-2008


Billy Wilder statt Geert Wilders!

Da schwingt Broder mal wieder die ganz große Keule. Er fühlt sich lesbar wohl mit seinen begründeten Vorbehalten gegen europäische Institutionen und Politiker – zudem gegen alle Linken und, das ist nicht zu übersehen, gegen sehr viele seiner deutschen Landsleute.

Er deklariert die Schwäche insbesondere der europäischen Demokratien in der notwendigen Auseinandersetzung mit dem Islam. Er zielt nicht auf die radikalen Elemente in dieser Religion, er nimmt, politisch unkorrekt, wie man seiner Meinung in diesen Fragen einfach zu sein hat, den Islam aufs Korn. Für ihn existiert kein Unterschied zwischen Islam und Islamismus! Wenn ich ebenfalls politisch unkorrekt wäre, was ich aber nicht bin, würde ich Herrn Broder unterstellen, er vertrete diese krasse Haltung vor allem deshalb, weil er als Jude ein ganz generelles Problem mit dem Islam hätte. Und eben das können Deutsche natürlich überhaupt nicht nachvollziehen. Genau dies versucht sich Broder auf perfide Art und Weise bei seiner publizistischen Arbeit zunutze zu machen. Und es gelingt ihm ein ums andere Mal.

Den oben verlinkten Artikel selbst finde ich einerseits informativ, weil ich einige Details bisher nicht kannte, andererseits wird deutlich, wie verhängnisvoll Pressearbeit auch sein kann. In zeitlicher Nähe zum Tag der Meinungsfreiheit eine gewagte Aussage – ich weiß.

Ich unterstelle, dass es van Gogh, Wilders und Fortuyn nicht nur darum geht, unsere Gesellschaft, zuvorderst natürlich die Niederländische, über das wahre Gesicht des Islam „aufzuklären“. Genau dieses wäre auch gar nicht notwendig gewesen. Dass es einen Konflikt zwischen Moslems und Christen gibt, haben die Menschen längst begriffen und zwar bevor diese Agitatoren ihre „Arbeit“ überhaupt aufgenommen hatten. Allerdings setzten die Täter mit ihren Morden ein Fanal. Ich glaube, dass die drei Holländer, die als Populisten bezeichnet werden, die bestehenden Probleme für ihre Zwecke missbrauch(t)en. Sie verfolgen keine hehren politischen Absichten – schließlich sind es ja Populisten. :-)

Wenn Broder, nicht seit gestern, den europäischen Demokraten im Prinzip feige Kapitulation vor dem Islam vorhält, ist das in meinen Augen eine ziemlich billige Haltung. Die von Broder und seinen Jüngern kritisierten Politiker und Institutionen haben zuvorderst die Pflicht, Schaden von ihren Volk abzuwenden. Die Mechanismen in diesem Konflikt sind hinreichend bekannt. Was passieren würde, wenn wir, angestachelt durch die Presse, losmarschieren und mit lautem Hurra einen so überflüssigen Film, wie den, den Wilders erst noch drehen will, in unsere Kinos holen, scheinen viele zu wissen – dank der freundlichen Vordenker der Scharfmacherfraktion. Die meinen es gerade deshalb trotzdem tun zu müssen. Als streitbare Demokraten können wir unsere gesellschaftlichen Überzeugungen aber vielleicht auch ganz anders vertreten. Interaktiv in offenen Dialogen. Die Foren dazu gibt es schon. Man sollte ihnen auch die Gelegenheit geben, sich zu entwickeln. Aber das scheint Broder und Konsorten alles nicht weit genug zu gehen. Deshalb agitieren sie – gegen, nicht für Menschen.

Ich bin überzeugt, dass sehr viele Menschen (Christen und Moslems) die Konflikte sehr klar sehen und begriffen haben, welche Gefahren von diesen ausgehen. Sie wollen diese nicht, davon bin ich ebenso fest überzeugt. Sie wollen ihr Leben leben und sind nicht erpicht auf die Brandschriften so genannter Publizisten, die nach meiner Überzeugung nicht weniger Schlimmes im Schilde führen als diejenigen, vor deren Menschenverachtung sie selbst ständig warnen.

In Deutschland leben ca. 3,4 Mio. Muslime. Das ist eine gesellschaftliche Realität. Wenn man manchen Kommentare liest, könnte man glauben, dass wir diese Menschen am besten nach Hause schicken sollten.

Jedenfalls, den Film von Geert Wilders braucht kein Mensch.

Dialog

    Franz-Josef Hellseher (1)
    eule70: Ich habe die Sendung nicht gesehen. Da war wohl ein Strauß-Fan am Werk ? :) Die soll’s ja geben… 9. 10. 2008 · 23:37


    Wer kein Land mehr sieht kauft scheinbar Land (6)
    Gilbert: Da stimme ich dir zu, wobei man es sich aber offensichtlich gerade bei der Ökologie immer noch leisten kann, jede Menge handwerkliche Fehler zu begehen, ohne... 9. 10. 2008 · 08:51


    Steffino: Es kommt wohl ein wenig darauf an, wie sehr man den Begriff des “Funktionierens” mit dem Begriff der “Nachhaltigkeit” verknüpft -... 8. 10. 2008 · 22:39


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