Es war einmal eine Kleinstadt. In Deutschland, in NRW. Dort waren in Folge der Globalisierung aufgrund schlechten Managements gleich einige Firmen pleitegegangen. Nun gab es schöne große Gewerbeflächen. Nur Interessen dafür – die gab es nicht. Noch nicht.
Ein gutes Jahrzehnt vorher hatte man einen schönen großen Platz mitten in dieser Kleinstadt umgepflügt und einen Verbrauchermarkt errichtet. Es gab ein Bürgerbegehren gegen dieses Vorhaben. Ohne Erfolg. Der so genannte Internatsplatz wurde bebaut und einige Zeit später öffnete besagter Verbrauchermarkt die Kassen. Leider klingelten sie nicht so, wie sich der Betreiber das erhofft hatte. Vielleicht lags ja daran, dass schon eine ganze Reihe von Geschäften in dieser Kleinstadt ansässig waren und sich erfolgreich gegen die neue Konkurrenz behaupteten. Der Verbrauchermarkt jedenfalls hielt eine Reihe von Jahren durch. Eine Umfirmierung innerhalb des zugehörigen Konzerns. Aber auch die Namensänderung brachte nicht die ersehnten Umsätze.
Inzwischen hatten die Stadtväter die frei gewordenen Gewerbeflächen saniert und fanden einen Interessenten. Blöderweise war es wieder ein Verbrauchermarkt. Ein grösserer als der, der damals auf besagtem Internatsplatz angesiedelt wurde. Das würde einen harten Konkurrenzkampf geben.
Als also die Entscheidung für den zweiten Verbrauchermarkt getroffen wurde, begannen die anderen ihre Koffer zu packen. Das Management entschied, dass sich das alles so nicht lohne und kündigte (trotz langer Kündigungszeit) den Vertrag. Einige Monate später wurde das Gebäude abgeschlossen. Für Jahre. Die Entscheidung hinsichtlich der weiteren Nutzung des Gebäudes machte der Stadt große Probleme. Gerade in diesen Wochen feiern die Stadtoberen. Sie haben es nach Jahren geschafft, das Gebäude einer, wie sie finden, sinnvollen Nutzung zuzuführen. Die Bürger sollen auch etwas davon haben. Man mag es kaum glauben.
Angesichts dieses Desasters stellen sich bei der Lektüre dieses Beitrages von Dr. Oliver Marc Hartwich Fragen. Im Beispielfall hatten Stadtplaner entschieden, Firmen städtischen Grund zur Verfügung gestellt. Ohne Rücksicht auf die bereits zu diesem Zeitpunkt angespannte Wettbewerbssituation. Das war nicht klug. Meine kleine Geschichte gibt da einen Hinweis. Die Unternehmen allerdings haben ihrerseits ebenfalls wenig klug gehandelt. Sie hätten untersuchen und beurteilen müssen, ob ihr Engagement in dieser Region unter diesen Umständen sinnvoll wäre. Vielleicht haben sie es getan und kamen zu falschen Schlüssen. Ich weiß es nicht.
Eines wird allerdings deutlich: In beiden Fällen wurden Entscheidungen gefällt, die am Ende nicht als Erfolg gewertet werden konnten. Weder für die Stadt, noch für die betreffenden Unternehmen und, was entscheidend ist, auch nicht für die Bürger. Abgesehen davon, gab es in der Stadt über Jahre eine ziemlich angespannte Wettbewerbssituation. Viele Geschäfte wurden in dieser Zeit geschlossen. Inzwischen hat sich die Sache ein wenig stabilisiert. Das hat weit mehr als 10 Jahre gedauert.
Es gibt also keinen Königsweg. Es ist nicht gut, wenn irgendwelche Stadtplaner solche Maßnahmen entscheiden. Sie greifen in kritischer Weise in den Markt ein, der solche Dinge besser selbst regeln sollte. Für die Bewohner der Stadt, wie in meinem Beispiel, kann das negativ wirken. Aber ebenso verhält es sich dann, wenn Unternehmen sich in einer wirtschaftlich nicht gerade attraktiven Region einen brutalen Wettbewerb bieten.