Allein schon der Titel: “Maybrit Illner und das ZDF – eine Schande für den Journalismus” ist für meine Begriffe eine Unverschämtheit sondergleichen. Mit kritischem Journalismus hat das vermutlich auch nicht viel zu tun, auch wenn der Autor das vielleicht gern so sehen würde.
Die im Artikel von Wolfgang Lieb verbal in arger Weise angegangenen Talkerinnen von ARD und ZDF müssen einem nicht gefallen, aber irgendwie sollte man auch wissen, wann es genug ist. Herr Thiel schreibt über Frau Illner:
Das ist aber alles nichts im Vergleich zu Maybrit Illner im ZDF. Maybrit Illner wurde vor ein paar Jahren als Sabine-Christiansen-Klon für den Donnerstagabend installiert, weil sie im ZDF ebenfalls eine wichtige und einflussreiche Polit-Plauderstunde haben wollten. Und Maybrit Illner, die Quasselstrippe vom trivialen ZDF-Morgenmagazin war sicher nicht die beste Wahl; politischen und journalistischen Sachverstand für eine solche Gesprächsrunde hätte es im ZDF bestimmt genug gegeben.
[...]
Spätestens, seit die Moderatorin mit dem Telekom-Vorstandsvorsitzenden zusammenlebt, ist sie für eine solche Gesprächsrunde nicht mehr geeignet. Wie soll Maybrit Illner eine faire, glaubwürdige und ausgeglichene Moderation zu Themen wie Arbeits- und Wirtschaftspolitik, Renteneintrittsalter 67 oder Mindestlohn leisten, wenn der Moderatorinnenflüsterer Regieassistent ist, wenn die erhebliche Gefahr der Medien- und Meinungsmanipulation besteht.
Überflüssiger Weise hat man diesen Artikel dann auch noch bei Readers Edition veröffentlicht.
Jeder weiß, dass es eine Verbindung zwischen Illner und Obermann gibt. Das wurde nicht verheimlicht? Aber von mir aus kann man diese “Verbindung” als konspirativ oder als unglücklich im Sinne dessen, dass Frau Illner eine Sendung zu diesem speziellen Thema moderiert hat, kritisieren. Das ist nicht der Punkt.
Aber Illner, natürlich ganz im Stile eines mittlerweile üblichen Verrisses derart übel herunter zu machen, halte ich für vollkommen überflüssig. Das aber mögen offensichtlich Teile unserer Öffentlichkeit. Je maßloser kritisiert und beleidigender kritisiert wird, desto höher scheint der “Unterhaltungswert”. Die Publikumswirkung hat man wohl vor allem durch das Affentheater des privaten Fernsehens in den letzten fast 30 Jahren verinnerlicht.
Man könnte auch die Kirche im Dorf lassen. Und … wenn Georg Schramm von “emotionaler Pissrinne” und von “medialen Klofrauen” redet, ist das vielleicht eine derbe Sprache. Nur — er ist als Kabarettist unterwegs, nicht als Journalist mit einer ganz anderen Verantwortung.
please wait...
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