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Gesellschaft, Kritisch - Freitag, Mai 9, 2008 21:38 - Kein Kommentar
Einmal Tanken, Öl und Wasser nachgucken und die Scheibe putzen?
Ich glaube, ich weiß, wovon Herr Hopp spricht. Heute traf ich einen Mann, so um die 60 Jahre alt. An der Tankstelle (1,40 € je Liter Diesel) fragte er mich, ob er nach dem Ölstand und dem Wasser schauen dürfe. Eine Ansprache, an die man heute nicht mehr gewöhnt ist. So sehr haben wir uns an die Selbstbedienung an Tankstellen in den letzten Jahren gewöhnt, dass mir diese simple Frage fast etwas unangenehm war. Ich antwortete ihm, dass ich sein Angebot gern annehmen würde.
Zuerst wusste ich nicht so ganz, was ich nun (zu meiner ohnehin schon hohen Rechnung) für diese Dienstleistung zahlen sollte. Ich blieb etwas unschlüssig stehen, obwohl es schon Klack gemacht hatte. Der Tank war voll. Dann besann ich mich, zückte mein Portemonnaie und hatte zuerst ein 2-Euro-Stück in der Hand. Nee, dachte ich. Das nun auch nicht. Also tauschte ich das Geldstück schnell gegen ein 1-Euro-Stück aus.
Das gab ich dem Mann, der inzwischen seine Aufgabe erledigt hatte. Öl und Wasser waren ok. Die Scheibe war auch blitzsauber. Ich ging die Tankfüllung bezahlen und fuhr nach Hause — nicht, ohne mich nochmal artig bei dem Mann zu bedanken.
Ich fand, mein “Verhältnis” zu diesem erbrachten und doch eigentlich normalen Service ist ein wenig angespannt verkorkst unnormal uncool. Nicht viel anders ist das übrigens, wenn ich samstags die neue Autowaschanlage aufsuche. Dort machen um diese Zeit zwei Männer ihren Job — emsig und sorgfältig. Und sie sind viel billiger, als die drei anderen Konkurrenten am Ort. Meine verkrampfte Einstellung, von der ich hoffe, dass man sie mir dort nicht anmerkt, kann das nicht erklären. Scheinbar sehe ich in diesen Männern Arbeitnehmer, die man unbedingt bedauern muss. Vielleicht ist das das Verhalten, das manche als eine typisch deutsche Eigenart im Hinblick auf unseren Umgang mit Dienstleistungen geißeln.
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