Gesellschaft, Medien - Samstag, 5.April 2008 21:13 - 8 Kommentare
Die verdichtete Wirklichkeit des Henryk M. Broder
Scheinbar gern bezieht er sich auf Leute, die auf gesellschaftliche Normen pfeifen. Leute, die so sind, wie er sich selbst wohl gern sieht. Ihr Handeln benutzt er für seine Zwecke und interpretiert es in seinem Sinne. Damit provoziert er bewusst und gern viele derjenigen, die er als die Lippenableser des Mainstreamjournalismus entlarvt zu haben glaubt.
Meistens sind das die Gutmenschen, manchmal auch die politisch Korrekten, aber am allerliebsten ist es ihm natürlich, wenn es Linke sind, auf die per se diese Eigenschaften ohnehin immer zutreffen. Dann läuft er sogleich zur Höchstform auf und hält uns einen riesigen, wenn auch ziemlich beschlagenen Spiegel vors Gesicht.
Er unterstellt nicht etwa nur denen, die er so gerade frontal angreift, sie seien einfach zu doof, das gerade aktuelle Thema zu erfassen oder sich rational hierauf einzustellen. Er demonstriert in einer schon fast schmerzhaften Art, was er von seiner Leserschaft hält. Er erzeugt nicht selten bei mir das Gefühl, ihm im Grunde dafür dankbar sein zu müssen, dass er sich überhaupt dazu herablässt, uns in seinen Artikeln die ganze Tragweite unserer Ignoranz und Dummheit klar zu machen.
Geert Wilder ist also kein Rechtspopulist. Dafür ist er ein lupenreiner Liberaler. Geschenkt!
Was er (Wilders) jedenfalls tut, ist in meinen Augen nicht der Akt eines Mannes, der sich mutig gegen einen menschenverachtenden und verabscheuenswerten Islamismus richtet. Wilders will Popularität – und das offenbar um jeden Preis. Seiner Jünger kann er dabei sicher sein. Broder gehört scheinbar dazu. Und genau das glaube ich nicht! Er kocht seine ganz persönliche und auch nicht ganz klare Brühe.
Politiker, auch Journalisten, behaupten gerne, dass man die Klugheit der Bevölkerung nicht unterschätzen solle. In Wahrheit aber glauben die meisten, wir seien einfach zu blöd, manche Zusammenhänge zu erkennen. Broder ist in dieser Beziehung auch keine keine Ausnahme. Im Gegenteil: Er meint sogar, er müsse uns seine Wahrheit als die einzige, die allein gültige verkaufen und nervt uns mit seinen teilweise wenigstens unterhaltsam geschriebenen, doch immer auch provozierenden Artikeln. Dieser (s. Link) ist dafür ein schlechtes gutes Beispiel.
Offenbar hält Broder doch, wie ich schon sagte, die Mehrheit seiner Mitbürgerinnen und Mitbürger für blöde, einfältige Spießer, die sich ein X für ein U vormachen lassen. Aber die Leute machen sich durchaus ein differenziertes Bild und sie haben Wilders als jemanden entlarvt, dem offenbar nichts wichtiger ist, als seine eigene Popularität. Wenn nicht alle, so doch die meisten der „Botschaften und Informationen“, die in Fitna zu sehen sind, waren längst bekannt. Schon deshalb muss man sich fragen, weshalb Wilders „Aktion“ so viel Beachtung zugekommen ist.
Grundsätzlich finde ich es gut, wenn man durch Provokation zu anderen und evtl. neuen Denkansätzen kommt. Aber darum ging es weder Wilders noch Broder. Beide wollten auf ihre eigene, unsägliche Art und Weise provozieren. Die Motive dafür waren so unterschiedlich nicht. Und genau das wird uns in solchen Fragen bestimmt nicht weiterhelfen.
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