DB – demnächst Vollmitglied des kapitalistischen Systems

Autor: Horst Schulte | abgelegt in Wirtschaft | am 24-08-2008

Schon bald wird die Deutsche Bahn an die Börse gehen. Alle Welt spricht davon und unpopuläre Maßnahmen, die vom Vorstand durchgezogen werden, sollen damit im Zusammenhang stehen. "Die Bahn macht sich für den Börsengang schön." So nennt man das im Fachjargon oder was auch immer das für eine Sprache ist.

Erneut wurden Preiserhöhungen angekündigt. Gleichzeitig werden die Löhne gekürzt, obwohl wir dort doch erst kürzlich einen der schwersten Arbeitskämpfe (GDL) gehabt haben. Zudem werden Investitionen gekürzt und Tausende von Beschäftigten in "Billigtöchter" verlagert – oder sagt man ausgelagert? Beides keine allzu hübschen Begriffe, wenn man davon ausgeht, dass es sich um Menschen handelt bzw. deren Existenzen massiv berührt sind. Bei der Telekom war, meine ich, in diesem Zusammenhang auch gern von Auslagerung von Arbeitsplätzen die Rede.

Der Vorstandsvorsitzende Mehdorn hat sich harte Gefechte mit GDL-Chef Schell während des nicht enden wollenden Streiks geliefert und zwischendurch hörte man, dass er seine Antwort auf das von der Gewerkschaft erkämpfte und aus Sicht Mehdorns unerhörte Ergebnis geben wolle. Es sollten Stellen in größerem Umfang abgebaut werden. Nach sofort einsetzender öffentlicher Empörung ruderte er erst einmal zurück. Vielleicht hat der Mann ja doch auch Berater, auf die er hört.

Nun hat man sich eine Weile zurückgezogen und kommt mit ganz neuen Modellen heraus. Perfide aber durchaus zielgerichtete Modelle, wie man feststellen kann. Es geht um den schon erwähnten, bevorstehenden Börsengang des Unternehmens. Mehdorn ist ein konsequenter und beinharter Manager. Auch wenn er kein gutes Standing in der Öffentlichkeit hat, er macht das, was die späteren Aktionäre und was der heutige Eigentümer von einem guten Manager erwarten. Er nutzt -mit aller gebotenen Härte-die sich bietenden Möglichkeiten, um die Gewinne seines Unternehmens zu verbessern. Er weist steigende Gewinne in Milliardenhöhe aus. Aber wie das so ist, es scheint nicht zu reichen. Und schließlich ist auch die Bahn demnächst Vollmitglied des kapitalistischen Systems.

Bei der Bahn herrscht Personalmangel. Auch eine Folge der bevorstehenden Privatisierung. Deshalb setzt man nun (natürlich wiederum aus Kostengründen) auf Zeitarbeit. Unter den Zeitarbeitern befinden sich auch Lokführer, die ganz besondere Verträge von der DB erhalten haben. Der Konzern hat sie in einer neunmonatigen Umschulungsmaßnahme zu Lokführern ausbilden lassen (wann begann der Ärger mit der GDL noch gleich?) und wird diese jetzt zu sehr viel "günstigeren" Bedingungen dort einsetzen, wo Not am Manne ist. Es haben sich auf die entsprechenden Stellenausschreibungen über 10.000 Bundesbürger gemeldet. 1000 Lokführer wurden gesucht. 800 Leute befinden sich derzeit in den entsprechenden Schulungsmaßnahmen. Man kann sich ausmalen, was aus den GDL-Lokführern wird, wenn dieses Modell erfolgreich sein sollte. Sie werden ganz schön unter Druck geraten.

Die Lokführer sollten zum Einstand ein Jahresgehalt von ca. 32.000 Euro erhalten. Nach Vorlage der Verträge kommt man aber nur auf ca. 21.000 Euro jährlich. Das macht ca. 1000 Euro monatlich weniger als zugesagt. Bei ca. 156 Monatsstunden (inkl. Schicht- und Nachdienst) erhält der Lokführer dieses neuen Typs einen Grundlohn von 7,50 Euro/Std. Die GDL – Leute erhalten zu Beginn ihrer Tätigkeit 17 Euro. Nach den neuen Verträgen kann ein Lokführer maximal 12 Euro erhalten (inkl. aller Zulagen).  Die GDL will angeblich die DB verklagen. Da darf man mal auf das Ergebnis gespannt sein.

Eine Zeile aus dem Kommentar, den ich hierzu im Kölner Stadt-Anzeiger las, macht übrigens gewisse Relationen deutlich:

Ein Lokführer in Zeitarbeit verdient damit inklusive Zulagen so viel im Jahr wie Konzernchef Mehdorn in zwei Tagen.

 

ad hoc-News | Kölner Stadt-Anzeiger: Auf die Billigschiene geschoben | Frankfurter Rundschau: Interview mit GDL-Vizechef Grünwoldt

Frank Bsirske fliegt für lau

Autor: Horst Schulte | abgelegt in Gesellschaft | am 01-08-2008

Wie vorzüglich passt das ins Bild! Selbstredend auch in die Bild-Zeitung. Es gilt schließlich, einem Gewerkschafter ordentlich in die Eier zu treten. Da ist die Bild-Zeitung immer vorn dabei. Pflichtprogramm sozusagen.

Aber es ist einfach richtig, das zu thematisieren. Der Chef der Gewerkschaft "Verdi", die gerade gegen die Lufthansa streikt fliegt in Urlaub. Soll soll. Ist ihm gegönnt.

Als Aufsichtsrat der Lufthansa hat er angeblich ein Anrecht auf Gratisflüge. Von mir aus. Die nimmt er ausgerechnet dann in Anspruch, wenn "seine" Gewerkschaft zufällig gerade gegen diese Fluggesellschaft streikt.

Vielleicht gibt es Leute, die wo etwas für normal halten, für legitim. Ich finde das Verhalten Bsirskes unverständlich und sehr kritikwürdig. Diese Art von Gewerkschaftern unterscheidet sich in keiner Weise von den Managern, die öffentlich gern wegen ihrer "unmoralischen" Handlungsweise kritisiert werden. Man sollte ihn zum Teufel schicken. Von einem solchen Mann möchte ich mich jedenfalls nicht vertreten lassen. Und – egal, ob man mir das abnimmt oder nicht: Ich würde nie im Leben so handeln.

Bsirske hat offenbar null Gefühl für die Wirkung, die sein Handeln in der Öffentlichkeit hat. Kein Wunder, dass Gewerkschaften und Parteien immer mehr Mitglieder verlieren. Wohin soll das führen?

Der Egoismus ist ein Grund dafür, weshalb der Kapitalismus mögliche andere Formen des Zusammenlebens dominiert. Er, der Kapitalismus, ist stärker als alles andere. Seine "Seele" ist in der Natur des Menschen angelegt.

Viel Arbeit, wenig Brot

Autor: Horst Schulte | abgelegt in Gesellschaft, Wirtschaft | am 04-05-2008

Macht euch mal die Mühe und rechnet nach, wo ihr euch in dieser Skala (s.u.) ansiedeln könnt. Natürlich gab es schon immer unterschiedliche Bezahlungen. Bestimmte Berufsgruppen waren auch früher nicht auf Rosen gebettet. Nur haben wir seit der Euroeinführung, trotz anderslautender Behauptungen, Europreise, die 1 : 1 dem damaligen Mark-Wert entsprechen.

Dies trifft leider natürlich auf die Lohn- und Gehaltsentwicklung nicht zu. Im Gegenteil. Da wundern wir uns in Deutschland über die mangelhafte Nachfrage bzw. die schleppende Binnenkonjunktur. Seit Anfang der 90er Jahre bilden sich aufgrund des übermächtigen Einflusses des Kapitals und des als angebliche Konsequenz des globalisierten Wettbewerbs entstandenen Drucks auf die Preise, die Einkommen weiter Bevölkerungsschichten immer mehr zurück.

Die Gewerkschaften haben ihren Einfluss (fast) verloren. Das sieht man daran, wie beschissen schlecht in manchen Regionen für viele Berufe laut Tarifvertrag bezahlt wird. Dass die Gewerkschaften bei den Tarifabschlüssen mit am Tisch gesessen haben belegt das. Heute rufen sie nach Mindestlöhnen, weil sie es aufgrund ihres schwindenen Einflusses selbst nicht mehr geregelt kriegen.

In welchen Branchen und Regionen werden die niedrigsten Tariflöhne gezahlt?

€/Stunde €/Monat Region
Frisörhandwerk 2,75 464 Brandenburg
Bewachungsgewerbe 4,32 748 Meckl.-Vorp.
Floristik 4,35 775 Sachsen-Anhalt
Bäckerhandwerk 4,41 763 Meckl.Vorp.
Frisörhandwerk 4,93 793 NRW
Hotel/Gaststätten 5,34 902 NRW
Gartenbau 5,92 1000 Westdeutschl.
Floristik 5,94 1004 NRW
Gebäudereiniger 6,05 1022 NRW
Landwirtschaft 6,07 1056 NRW
Dachdeckerhandwerk 6,13 1035 NRW
Fleischerhandwerk 6,45 1090 NRW
Bekleidungsindustrie 7,26 1161 NRW
Einzelhandel 7,36 1199 NRW
Maler/Lackierer 8,05 1394 Westdeutschl.
Öff. Dienst 8,15 1377 NRW
Bau 10,40 1801 Westdeutschl.

Die angegebenen Werte sind Bruttolöhne. Versteuert werden müssen jährliche Einkommen über 7.664 €.

Quelle: WSI – Tarifarchiv

Lohnspiegel – Tariflöhne und Gehälter

Löhne und Tarife nach Berufsgruppen

1. Mai – Deutschland

Autor: Horst Schulte | abgelegt in Gesellschaft | am 01-05-2008

Die Damen und Herren von Zeit-online haben offenbar nicht mitgekriegt, dass heute nicht nur der 1. Mai (Tag der Arbeit) ist. Heute ist auch Vatertag. Es gibt also durchaus wichtigere Dinge, als sich die ermüdenden Reden irgendwelcher Funktionäre anzuhören. DevilBeer mug

Einst war der 1. Mai der Kampftag der Arbeiterklasse. Heute dient er nur noch dazu, dass Gewerkschafter vor schwindenden Massen markige Reden halten.

1. Mai – Deutschland – ZEIT online

Streiks: Das wollen wir nicht akzeptieren!

Autor: Horst Schulte | abgelegt in Fernsehen, Wirtschaft | am 24-02-2008

Hat es eigentlich schon mal einen Fall gegeben, bei dem gewerkschaftliche Streiks etwas am Entschluss eines Unternehmens geändert hätten? Anders gefragt: Wurden aufgrund dessen schon einmal ausgesprochene oder vorgesehene Entlassungen zurückgenommen?

Im Moment fällt mir kein Beispiel ein. Führen, wenn ich Recht habe, solche Aktionen nicht eher zur Verschärfung der Legitimationskrise, in der sich die Gewerkschaften ohnehin befinden?

Nokia, Siemens, T-Systems, T-Home und und und. Viel Aktionismus, an dessen Ende Frust auf der einen und Verzweiflung wegen nicht erfüllter Hoffnungen auf der anderen Seite stehen.

Quelle: Berliner Morgenpost

Dialog

    Franz-Josef Hellseher (2)
    Horst Schulte: Ja, es gab Strauß-Fans. Ich kann das auch heute noch nicht verstehen. :( 10. 10. 2008 · 21:21


    eule70: Ich habe die Sendung nicht gesehen. Da war wohl ein Strauß-Fan am Werk ? :) Die soll’s ja geben… 9. 10. 2008 · 23:37


    Wer kein Land mehr sieht kauft scheinbar Land (6)
    Gilbert: Da stimme ich dir zu, wobei man es sich aber offensichtlich gerade bei der Ökologie immer noch leisten kann, jede Menge handwerkliche Fehler zu begehen, ohne... 9. 10. 2008 · 08:51


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