Internet: Das größte Gemeinschaftsprojekt der Menschheit

Autor: Horst Schulte | abgelegt in Internet | am 19-07-2008

David Weinberger hat mit dem C’t Magazin (#16 v. 21.7.2008) ein sehr interessantes und inspirierendes Interview geführt. Titel: „Google ist nicht das Problem“.

Ja, ich finde auch, dass das Internet das größte Gemeinschaftsprojekt der Menschheit ist. Es klingt vielleicht in den Ohren mancher Zeitgenossen etwas vermessen, ist aber doch so! Über diesen Zusammenhang habe ich mir noch nie wirklich Gedanken gemacht. Und das, obwohl ich das Internet seit ca. 15 Jahre nutze und heute täglich stundenlang online bin. Vielleicht ist dieses fehlende Bewusstsein durchaus auch ein Problem, dem man mit dem „Schulfach“ Medienkompetenz wohl auch nicht so richtig zu Leibe rücken kann.

Weinberger beschreibt seine Angst, dass wir das alles kaputtmachen könnten, was wir in diesen Jahren aufgebaut hätten. Die größte Gefahr sieht er allerdings nicht im Webgiganten Google, sondern eher in den massiven wirtschaftlichen Interessen der so genannten Access-Provider. Sie könnten irgendwann bestimmen, welche Inhalte wir zu sehen bekommen und welche nicht. In den USA, so Weinberger, bestehe bereits eine Kartell-Situation. Außerdem verlange auch die Politik nach mehr Kontrolle über das Internet.

Deutsche Übersetzung der Cluetrain-Thesen, an denen David Weinberger als Co-Autor mitgearbeitet hat

Ja, das Internet ist deshalb so rasend schnell gewachsen, weil es sich frei entwickeln konnte. Es herrscht ein Maß an Freiheit, das im realen Leben seinesgleichen sucht. Das ist der einfache Grund für diese Entwicklung.

Weinberger fordert verbriefte Freiheitsrecht für die Nutzer und sieht „Regelungsaufgaben“ ausschließlich darin, Rechtsmissbräuchen vorzubeugen.

Chaos ist gut, weil man es immer wieder neu ordnen kann und muss. Das ist übrigens der Grund, warum das Netz so erfolgreich geworden ist.

Mit diesem Gedanken kann man sich anfreunden, nicht wahr? Jeder Surfer wird das nachvollziehen können. Die integrierte Freiheit macht viel von der Faszination aus, die das Internet ausmacht.

Auf den wichtigen Punkt des Urheberrechts weiß auch Weinberger keine Antwort. Nur soviel, dass er das bestehende Urheberrecht für überholt hält. Darin sind sich viele einig – leider aber längst nicht alle. Er hält neue Vergütungsmodelle als möglichen Lösungsansatz für bedenkenswert. Affiliate-Programme oder ähnliches.

Ich wünsche mir ein neues Urheberrecht, das eine ganz vitale Kunstszene entstehen lässt.

Er erkennt einen untauglichen Versuch darin, unseren Kindern erklären zu wollen, was Urheberrechte sind. Er hält alle bisherigen Versuche für grandios gescheitert und verweist auf das Resultat, das die Musikindustrie mit dem Stigma der „Piraterie“ erzielt hat.

Weinberger fordert, den Usern, Kunden, Lesern und Hörern einen Teil der Macht zurückzugeben, der ihnen genommen wurde und verweist auf einen ganz alten Wert, der unter dem Begriff Freiheit bekannt ist.

Vielleicht sind seine Worte ein wenig zu euphorisch, aber ich kann alles teilen. Hoffentlich haben wir die Weitsicht, die Entwicklung nicht durch die ja nicht nur auf Deutschland begrenzte Regelungswut zu be- oder gar zu verhindern.

Die Freiheit nutzt sich ab, wenn du sie nicht nutzt

Autor: Horst Schulte | abgelegt in Gesellschaft, Medien, Musik | am 26-01-2008

Bei Mario fand ich ein YouTube Video, in dem Reinhard Mey seinen Titel „Sei wachsam“ vorträgt. Auch ich verehre Reinhard Mey seit meiner Jugend. Viele seiner Lieder, auch die von Hannes Wader und Konstantin Wecker höre ich bis heute oft und gern. Diesen Text („Sei wachsam“) kannte ich aber noch nicht, und er spricht mich eigentlich auch nicht an. Er repräsentiert für mich schließlich auch nur das, was wir der Politik gern als „Populismus“ vorhalten. Mey spricht aus, was alle denken. Immer sind die anderen schuld. Wir sind die Opfer. Die Haltung wird es nicht bringen. Da muss schon mehr passieren. Wer konsumiert denn die Produkte, die uns z.B. solchen Verdruss bringen? Schließlich verfügen wir über ein Wahlrecht. Nicht nur bei politischen Entscheidungen. Den gesamten Artikel lesen »

Wir sollten uns nicht vormachen, dass Glück sich als Sozialleistung organisieren lässt.

Autor: Horst Schulte | abgelegt in Gesellschaft, Politik, Wirtschaft | am 30-12-2007

Ist das nicht ein wahrhaft kluger Satz? Der Bundespräsident hat ihn in einem Interview mit der FAZ gesagt. Für mich beweist das einmal mehr, wie wenig Politiker doch von dem begriffen haben, was ihre Bürgerinnen und Bürger wirklich beschäftigt. Er schreibt der deutschen Bevölkerung einerseits ein hohes Maß an Klugheit zu und auf der anderen Seite kommt er mit Sätzen wie denen heraus, die ich als Titel für diesen Beitrag gewählt habe. Das passt nicht zusammen, Herr Bundespräsident.

«Mehr Sorgen bereitet mir die zunehmende Verunsicherung der Mittelschicht.» Ich denke, mit diesem Satz trifft er den Kern dessen, was viele Menschen in unserem Land sehr beschäftigt – mich auf jeden Fall. Ich stelle nicht die Marktwirtschaft in Frage, wohl aber ihre Ausprägungen, die mehr und mehr in Richtung eines wahrhaftig ungezügelten Kapitalismus gehen.

Da sagt Horst Köhler etwas in meinen Augen ganz Wichtiges:

Ungleichheit gehört zur Freiheit, zur menschlichen Natur und zu jeder offenen Gesellschaft. Sie ist eine dynamische Kraft. Die Frage ist: Wie viel Ungleichheit stärkt die schöpferischen Kräfte, und ab wann gefährdet Ungleichheit den Zusammenhalt zu Lasten aller? Meine Meinung ist: Die Gesellschaft wird nicht durch Nivellierung der Einkommen, sondern durch Chancengerechtigkeit zusammengehalten.

Ist es aber nicht zunehmend so, dass wir von einer Chancengleichheit in unserer Gesellschaft eigentlich nicht mehr reden können? Köhler spricht im Interview von ungleichen Bildungsvoraussetzungen. Das ist ein wichtiger Punkt. Aber wie verhält es sich mit unseren aktuellen Arbeitsverhältnissen? Wollen Menschen unsichere Jobs? Wollen Menschen Arbeit, die immer weniger wertgeschätzt wird und bei der sie dem Gefühl ausgeliefert sind, in ihrer Position beliebig austauschbar zu sein? Solche Faktoren fallen zusammen mit den Diskussionen um die Nettolohnentwicklung und von mir aus auch mit der um die Manager-Gehälter. Aber das gehört nicht zum Kern der Sache. Der Kern der Sache ist vielmehr das, was heute, aus Gründen, die ich nicht verstehen kann, kaum mehr benannt wird: Menschen brauchen Anerkennung. Nur ein Teil hiervon spiegelt sich in irgendwelchen Stundenlöhnen oder Gehältern wider. Der andere Teil ist der sehr viel Bedeutendere. Vielleicht ist das naiv und vielleicht teilen auch viele meine Meinung ganz und gar nicht. Die Tatsache, dass es Löhne gibt, von denen Menschen sich und ihre Familien kaum mehr unterhalten können, ist schon schlimm. Dass sie aber zum Sozialamt müssen, um mit dessen Hilfe „aufzustocken“, das ist entwürdigend und das ist am Ende vielleicht schlimmer, als mit dem Bewusstsein zu leben, für die eigene Arbeit einen zu kleinen Lohn zu erhalten.

Nimmt man auf solche Befindlichkeiten keine Rücksicht, so glaube ich, dass eine Gesellschaft wirklich Schaden nimmt.

[via]

Freiheit für Marco

Autor: Horst Schulte | abgelegt in Gesellschaft | am 21-12-2007

Man kann ja verstehen, dass Marco Weiss einen Freispruch erreichen will. Selbst, wenn er dafür im April nächsten Jahres in die Türkei zurückkehren muss. Es gibt Leute, die meinen, inzwischen ziehe er diese Alternative der momentanen Option vor. Eben ganz nach dem Motto: Lieber in ein türkisches Gefängnis, als die nächsten Monate den RTL-Interviewern ausgeliefert zu sein.

Freiheit für MARCO oder keiner kommt mehr in die Türkei und macht dort Urlaub!!!!

Autor: Horst Schulte | abgelegt in Gesellschaft, Kritisch | am 12-12-2007

Vor Gericht und auf hoher See ist man in Gottes Hand

Sagt man doch so. Ganz besonders trifft das offenbar zu, wenn man vor einem Gericht steht, das zumindest nach unseren Vorstellungen nicht gerade orthodoxe Methoden anwendet. 240 Tage sitzt Marco nun wegen der Anschuldigung der 13jährigen Charlotte (und vor allem ihrer Mutter) in einem türkischen Gefängnis ein.

Charlottes Anwalt ist überzeugt, dass ihre Aussage zum Termin am 14. Dezember (Freitag) doch tatsächlich ins Türkische übersetzt worden ist. Nach dieser Zeit eine echte Leistung und zwar aller hieran Beteiligten. Der türkische Anwalt geht davon aus, dass Marco verurteilt wird. Das Urteil kann zwischen 8 und 15 Jahren Gefängnis lauten. Wenn Marco wirklich das Mädchen sexuell missbraucht haben sollte, wäre eine Strafe angebracht. Aber Einzelheiten dieses Falles, die über die Presse bekannt geworden sind, lassen diesen Schluss doch eigentlich überhaupt nicht zu.

Akademische Leistungsträger mit Perspektive

Autor: Horst Schulte | abgelegt in Gesellschaft, Politik, Wirtschaft | am 02-11-2007

Gerade wird berichtet, dass die Zahl deutscher Auswanderer erneut gestiegen mit. Sie wird weiter steigen. Schließlich schauen auch die „akademischen Leistungsträger mit Perspektive“ fern. Einschlägige TV-Shows auf beinahe allen Kanälen machen die Entscheidung leichter – auch für die, die sich mit derlei Entschlüssen vielleicht etwas schwerer tun. Scherz beiseite. Den gesamten Artikel lesen »

Dialog

    Franz-Josef Hellseher (1)
    eule70: Ich habe die Sendung nicht gesehen. Da war wohl ein Strauß-Fan am Werk ? :) Die soll’s ja geben… 9. 10. 2008 · 23:37


    Wer kein Land mehr sieht kauft scheinbar Land (6)
    Gilbert: Da stimme ich dir zu, wobei man es sich aber offensichtlich gerade bei der Ökologie immer noch leisten kann, jede Menge handwerkliche Fehler zu begehen, ohne... 9. 10. 2008 · 08:51


    Steffino: Es kommt wohl ein wenig darauf an, wie sehr man den Begriff des “Funktionierens” mit dem Begriff der “Nachhaltigkeit” verknüpft -... 8. 10. 2008 · 22:39


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