Der Mann hat Charisma! Selten hat der TV-Auftritt eines Politikers soviel Eindruck hinterlassen. Ich weiß nicht, ob es die Ankündigungen waren, die diesen Eindruck befördert oder erzeugt haben. Jedenfalls hat er mich beeindruckt, dieser Barack Obama aus den USA.
Ganz neu war es nicht, was der Mann uns erzählt hat. Er hat appelliert. Keine Neuigkeit hat mich erreicht. Weder, was die Politik in Afghanistan angeht, noch die im Irak. Eher im Gegenteil. Er blieb unverbindlich. Obwohl er so ziemlich alle zentralen Fragen dieser Zeit angesprochen hat.
Ich hatte mehr erwartet! Trotzdem kann ich nicht sagen, dass ich enttäuscht wäre.
Allerdings, ich hätte schon konkrete Vorstellungen zu Afghanistan und Irak von ihm erwartet. Wie sehen die Pläne einer von Obama geführten US-Regierung aus? Er begnügte sich mit Allgemeinplätzen.
Und nun mal Tacheles: Nach Obamas Auftritt wurden junge Leute im weiten Rund der „Fanmeile“ nach ihrer Motivation befragt. Weshalb haben sie Obama die Ehre erwiesen?
Mein Resümee: Sie hatten keine Ahnung, weshalb sie diesem „Event“ beigewohnt haben. Ich fürchte, dass war nicht nur bei denen so, die befragt worden sind.
Ich vergleiche es mal vorsichtig mit der Euphorie, die wir erlebt haben, als unsere Fußball-Nationalmannschaft ihre Abschiedsvorstellung in Berlin gegeben hat. Viele hatten nicht mehr Ahnung von Obamas Eignung als amerikanischer Präsidentschaftskandidat als ich. Aber sie haben die Chance ergriffen, eine ordentliche Party zu feiern. Dagegen ist nichts zu sagen. Aber die Presse sollte das zumindest richtig (korrekt) einordnen!
Wie gehts weiter? Irgendwann, wenn Obama gewählt wurde (woran ich heute keinen Zweifel habe) wird die Partygäste von Berlin (und den Rest der enthusiastischen deutschen Fangemeinde) die Realität einholen. Dann werden wir maulen. Laut und indifferent.
Das Charisma Barack Obamas wird verblassen angesichts der grauen Alltagsrealität.