Dalai Lama: Zu wenig Askese?
Autor Horst Schulte · 17-05-2008 · Tags: Autonomie, China, Dalai Lama, Gesellschaft, Tibet
Wenn man aktuelle Berichte über den Besuch des Dalai Lama liest, kommt es einem schon so vor, als würde der Unterhaltungswert des Mannes langsam nachlassen. Und in unserer Zeit ist das wohl das Schrecklichste, was einem passieren kann.
Die Sache des Dalai Lama jedoch lebt von der öffentlichen Wirkung seiner persönlichen Auftritte. Vielleicht ist es im Moment noch so, dass seine Veranstaltungen gut besucht sind und dank des Rahmenprogramms sogar über eine gewisse Attraktivität verfügen. Diese zieht dann auch Menschen an, die mit Politik eigentlich wenig am Hut haben.
Gerade in Deutschland verfügt der Dalai Lama scheinbar über eine große Fangemeinde. Der verlinkte Artikel von Welt-Online beschreibt für meinen Geschmack ein wenig süffisant seinen gestrigen Auftritt in Bochum.
Nun, wir haben es in der Hand. Wir können uns ein freies Urteil über die Vorgänge in Tibet bzw. die Repressalien machen, die von den Chinesen gegen die Tibeter angewendet werden. Es ist wohl richtig, dass vor der chinesischen Besetzung in Tibet ein feudalistisches Regime herrschte. Wahr ist aber auch, dass dieser Dalai Lama Gewaltfreiheit predigt und sich öffentlich nie in der Weise geäußert hat, die die Vorhaltungen der chinesischen Regierung rechtfertigen würden. Vielleicht auch aus diesem Grund wächst die Ungeduld der Tibeter. Die Gewaltbereitschaft nimmt zu. Der Dalai Lama könnte für die chinesische Regierung noch ein wichtiger Gesprächspartner werden. Insofern entsprechen die neueren Signale aus Peking schon einer gewissen Logik.
Wir sollten generell bei der Linie bleiben, uns deutlich für die Menschenrecht einzusetzen und unseren Standpunkt auch bei allen bilateralen oder multilateralen Anlässen vertreten. Unter diesem Aspekt verstehe ich die Haltung unserer Regierung im Moment überhaupt nicht. Man sieht in der augenblicklichen Lage, wie groß der Druck der Wirtschaft auf die Politik ist. Denn wer glaubt, dass Merkels plötzlicher Sinneswandel und die kritische Sicht anderer Regierungsmitglieder einen anderen Grund hätte?
Wenn mit einem Land gute Beziehungen nur möglich sind, wenn man die eigenen Positionen preisgibt, dann sind diese Beziehungen nichts wert. Außer natürlich, man bewertet sie in Euro und Dollar.













