Medien - Autor: Horst Schulte von Montag, Mai 12, 2008 1:43 - 5 Kommentare
Gegenöffentlichkeit oder Mob?
ZEIT online (bzw. Stefan Niggemeier) umreißt erneut das Spektrum der bundesdeutschen Blogsphäre und -logisch- eines meiner liebsten Blogs rückt auch in den Mittelpunkt dieses Beitrages.
Eines der drastischsten Beispiele dafür ist die islamfeindliche Seite Politically Incorrect (PI), die es geschafft hat, mit einer üblen Mischung aus Ressentiments, Unwahrheiten und tatsächlich besorgniserregenden Nachrichten über im Namen des Islams begangene Untaten zu einem der größten deutschen Blogs zu werden. Beunruhigend ist die Wirkung von PI in zweierlei Richtungen: Die Halbwahrheiten verbreiten sich von hier in vermeintlich seriöse Medien. Und andererseits eskaliert die Diskussion in den Kommentaren von PI in atemberaubender Weise. Angespornt von den mit Schimpfwörtern durchsetzten Meldungen, entwickelt sich unter den Autoren ein Wettbewerb um die drastischste Meinungsäußerung, der gelegentlich in Mordfantasien mündet.
Folgenden Satz halte ich für besonders gelungen:
Neben vielen, die in unterschiedlichem Mischungsverhältnis große Ahnungslosigkeit mit großer Meinungsstärke kombinieren, finden sich auch kluge Gedanken von Laien, fundierte Analysen von Experten, persönliche Schilderungen von Betroffenen. (Hervorhebung von mir)
Niggemeiers Beitrag ist mir eine Spur zu optimistisch! Er glaubt, dass mit Hilfe des geneigten Publikums sich auf lange Sicht die Spreu vom Weizen trennen wird und am Ende die Blogs übrig bleiben, deren Autoren wirklich etwas zu sagen haben und letzten Endes sogar zu einer qualitativen Verbesserung des Medienangebots im Allgemeinen beitragen können werden.
Wenn ich einen kleinen Bogen zu den Printmedien schlage und mir (mal wieder) die Frage vorlege, weshalb ich nun insgesamt schon über 30 Jahre den “Kölner Stadt-Anzeiger” abonniert habe, komme ich auf eine vielleicht nicht alle zufriedenstellende Antwort:
1.) Weil ich ein Gewohnheitstier bin und
2.) Weil ich ein vertrauensseliger Mensch bin, der
3.) eine vorgefasste, einseitige und nicht gerade positive Meinung über manche Konkurrenzprodukte des Wettbewerbs hat.
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5 Kommentare
Gemeinsam ist allen diesen Vertretern der Medienzunft: sie sitzen sehr weit von den Problemzonen mit ihrem Häuschen in der Nobelvillengegend weg, gehen nicht in die Dönerbude, sondern zum Nobelitaliener, und kommen allenfalls mal mit ihrem Protz-BMW auf ein Foto in Slums und sind dann noch erstaunt, wenn man ihnen den BMW, wie unlängst in Hamburg passiert, abfackelt, woran dann natürlich noch die Polizei Schuld ist.
Eben las ich in meiner Tageszeitung (der von Samstag), das in unserer Nachbarschaft ein Problemwohnviertel entstanden ist. Dort wohnen vornehmlich Türken. Es werden im Artikel einige Beispiele genannt. Dort ist vieles nicht in Ordnung. Wahrscheinlich aus Gründen der pc wird aber ein Zusammenhang zwischen der ethnischen Herkunft der Bewohner und den beanstandeten Dingen nicht hergestellt. Nicht einmal liest man, dass in dieser Siedlung fast nur Türken leben. Das ist falsch. Insofern stimme ich dir teilweise zu, es um die Frage nach der Popularität von PI geht. Aber genau dies ist auch, was mir persönlich Angst macht.
Die Frage ist offen, ob wir es in unserer Demokratie aushalten sollten oder müssen, mit Hasstiraden überzogen zu werden, die viele Leute (Kommentatoren) auf diesem Blog absondern. Volksverhetzung hin oder her. Jeder muss am Ende ja selbst entscheiden, wie man die vulgären und fast durchgängig menschenverachtenden Verbalinjurien bewertet, die einem dort entgegenschlagen. Man braucht dieses Blog nicht zu verbieten. Aber man muss die Leute, die sich dort äußern im Interesse unserer Demokratie in ihre Schranken weisen. Das sage ich nicht, weil ich anderer Meinung bin, sondern weil ich fest davon überzeugt bin, dass solche “Meinungsäußerungen” auf manche Leute (vor allem jüngere) eine schlimme Wirkung haben.
Ich finde pc falsch, wenn es dazu führt, dass man vor gesellschaftlichen Realitäten die Augen verschließt und diese Gefahr besteht definitiv. Wir haben das erlebt. Das andere Extrem stößt mich aber nicht weniger ab.
Das Problem der PI-Kommentare ließe sich leicht in den Griff bekommen. So weit ich das auf der PI-Seite verfolgen kann, muss man dort für Kommentare registriert sein, d.h. es ließe sich sicherstellen, dass die Kommentatoren selbst für ihre Kommentare haftbar gemacht werden. Ein deutlicher Hinweis und ein paar Strafen, und das wäre abgestellt. Ich habe aber eher den Eindruck, dass der Blog selbst wegen seiner abweichenden Meinung verfolgt wird und nicht wegen der Kommentare.
Bei den Kommentaren selbst müsste man aber auch mal analysieren, wie viel davon tatsächlich ideologiebedingt ist und wie viel einfach nur Ausdruck einer unglaublichen Wut ist, weil die Leute selbst betroffen sind, aber ständig Ignoranz aus dem offiziellen Polit- und Medienlager erfahren. Ich habe auch oft eine Stinkwut um Bauch und sondere dann kräftige Flüche ab, ohne deswegen aber gleich zum Extremrandalierer zu mutieren.
Problemviertel: in Düsseldorf und einigen anderen Städten existieren Stadtviertel, die seit Jahrzehnten von Japanern beherrscht werden, mit eigenen Einkaufstraßen, Restaurants usw. Aus und über diese Viertel ist in fast 50 Jahren nicht eine einzige Klage gekommen. Wo ist der Unterschied zu Türkenvierteln, über die ja quer durch die Gesellschaft fast nur Klagen kommen, auch wenn die Medien und die Politik das gerne totschweigen bzw. unterdrücken möchten?
Ich sehe auch in den Artikeln von PI durchaus radikale Tendenzen. Zumindest aber provozieren die Artikel die Kommentatoren zu ihren großteils unsäglichen Sabbeleien. Das Blog ist tendenziös und säht Hass. Man kann gesellschaftliche Wahrheiten auch aussprechen, ohne eine ganze Kultur zu beleidigen. Die Verachtung ist jedenfalls mit Händen zu greifen. Das ist eine schlechte Voraussetzung. Vorsichtig ausgedrückt.
Wo ist der Unterschied zu Türkenvierteln, über die ja quer durch die Gesellschaft fast nur Klagen kommen, auch wenn die Medien und die Politik das gerne totschweigen bzw. unterdrücken möchten?
Keine Ahnung. Jedenfalls ist das, glaube ich, auch in den USA so ähnlich. Denk auch an die chinesischen Wohnviertel oder ähnliches. Diese Kulturen können sich vielleicht besser anpassen. Oder es hat damit zu tun, dass die Bildungsdefizite dieser Ethnien kleiner sind. Das kann ich nicht sagen. Jedenfalls würde ich nicht davon ausgehen, dass die Unterschiede religiös bedingt sind. Außerdem sollte man nicht pauschalisieren. Das ist der größte Vorwurf, den ich PI mache. Es wird auf Biegen und Brechen pauschalisiert.
Was heisst für dich “nicht pauschalisieren”? Und bezüglich des Religiösen kann man leider nur anmerken, dass fast alle Gewalttaten religiös begründet werden und von offizieller Seite keinerlei Dementi zu hören ist, dass das nicht stimmt. Ich habe das schon mehrfach festgestellt: ab dem Augenblick, wo man in irgendeinem Blog einen Muslim auf eine Ablehnung von Scharia-Auslegungen bezüglich Gewalt- und Todesdrohungen anspricht, herrscht eisernes Schweigen.
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Gegenöffentlichkeit, weil Niggemeier und Konsorten auf ihre Art mindestens so einseitig sind wie PI. Es sei dazu mal ein einen Herrn Jessen erinnert, der öffentlich den Begriff des “Scheißdeutschen” verbreiten darf, ohne auch nur von einem einzigen Vertreter der Niggemeier-Fraktion zur Ordnung gerufen zu werden. Oder an einen Herrn Höge von der taz, der es begrüßt, wenn seine ausländischen Bekannten einem deutschen Meckerer ein paar aufs Maul hauen, was sowohl der berliner Senat als auch der Presserat für vollständig in Ordnung halten. Oder an einen Herrn Niggemeier selbst, der glaubt, einen ausländischen Wiederholungsstraftäter, auf dessen Konto nach mehrmaligen Auffallen wegen Fahrens ohne Führerschein nun noch ein Verkehrstoter geht, durch ein Gutachten, der Tote sei ja zu schnell gefahren, entschuldigen zu können.
Gemeinsam ist allen diesen Vertretern der Medienzunft: sie sitzen sehr weit von den Problemzonen mit ihrem Häuschen in der Nobelvillengegend weg, gehen nicht in die Dönerbude, sondern zum Nobelitaliener, und kommen allenfalls mal mit ihrem Protz-BMW auf ein Foto in Slums und sind dann noch erstaunt, wenn man ihnen den BMW, wie unlängst in Hamburg passiert, abfackelt, woran dann natürlich noch die Polizei Schuld ist. Die völlige Blingheit auf dem Problemauge finde ich eigentlich noch schlimmer als die Scheuklappen von PI.
Man kann sich ja auch mal Gedanken darüber machen, wieso ein islamkritischer oder meinethalben auch islamfeindlicher Blog wie PI mehr oder weniger ins Ausland gehen muss. Kann das nicht auch daran liegen, dass der strafrechtlichen Begriff “Volksverhetzung” gerade aus der Ecke Niggemeier & Co. dazu benutzt wird, Strömungen außerhalb des politisch Korrekten auf juristischem Weg mundtot zu machen - nicht durch durchgesetzte Verbote, sondern durch die mit der Abwehr solcher Angriffe verbundenen Kosten?