Gesellschaft, Kritisch · Donnerstag, 1.Mai 2008 21:03 · 6 Kommentare

Reflexe und andere Blödheiten


Der Staat beansprucht das Gewaltmonopol. Deshalb haut er mit seiner Exekutive auch voll dazwischen, wenn die Nazis sich versammeln und linke Autonome, wie auf Bestellung, ihre Gegendemo in einer Gewaltorgie münden lassen.

Danach streiten wir uns dann auch zuverlässig und prompt darüber, wer von beiden schlimmer war.

Manchmal denke ich, die Polizei sollte sich einfach zurückhalten und beide Gruppen sich mal richtig die Fresse polieren lassen. Jedenfalls freut es mich (als Linken) überhaupt nicht, wenn ich dann solche Artikel lese.

Nicht etwa, dass ich fände, diese Leute hätten mit ihrer Meinung recht. Nein, sie führen sich so auf. Und das nur deshalb, weil Autonome linke Autonome sind und sie den Rest der Demonstranten mit ihren gewalttätigen Aktionen vollkommen in den Hintergrund drängen.

In der Öffentlichkeit werden in stärkerem Maße nicht etwa die Nazis und ihre Parolen und leider auch nicht die Gegendemonstranten wahrgenommen, sondern die linken Autonomen, die wieder mal für brennende Autos und verletzte Polizisten gesorgt haben.



Update: Freitag, 2.Mai 2008 23:11

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6 Kommentare

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Gilbert
Mai 2, 2008 9:00

1

Überleg mal, ob du dir als „Linkem“ einen Gefallen tust, wenn du die Krawallmacher als „linke Autonome“ anerkennst. Autonome ist die verharmlosend-politisch korrekte Bezeichnung für Leute, die früher als Briganten bezeichnet wurden, also Krawallmacher und Plünderer des Krawallmachens und Plünderns wegen. Und Linke sind die bestimmt nicht, sondern allenfalls Anarchisten, also gegen jegliche Ordnung.

Die Geschichte wiederholt sich. Die NSDAP ist nicht groß geworden, weil sie gute Ideen hatte, sondern weil die anderen Parteien noch erbärmlicher waren. Die hat sich in der bürgerlichen Mitte verankert, weil sie sich nie gewalttätig mit dieser Schicht angelegt hat, während die Kommunisten alles kurz und klein geschlagen haben. Und sie hat sich im Volk verankert, weil sie nach der Machtübernahme für die breite Bevölkerung subjektiv gefühlte Verbesserungen erreicht hat. Außer dem letzten (noch nicht umgesetzten?) Punkt ähnelt die Situation verdammt der Vergangenheit.

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Horst Schulte
Mai 2, 2008 9:14

2

Das ist keine Verortung, die ich erfunden habe. Ich würde mich besser fühlen, diese „Zuordnung“ nicht vornehmen zu brauchen.

Ja, die Geschichte wiederholt sich scheinbar. Und damit sind nicht mal nur diese Auseinandersetzungen gemeint. Allein die mangelnde und immer weiter zurückgehende Akzeptanz unserer politischen Parteien muss einem große Sorgen machen. Wenn irgendwann richtige soziale Spannungen dazukommen (also mehr als das Wehklagen in irgendwelchen Talkshows über das Schrumpfen der Mittelschicht), haben wir eine Gemengelage, die ihre Potenziale für radikale Tendenzen haben wird. Wieder einmal, wie ich hinzufügen will.

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Gilbert
Mai 2, 2008 11:22

3

Trotzdem sollte man sich überlegen, ob man diese Verortung zu Links einfach so übernimmt. Hier hat es sich ein gewisses Presselager einfach gemacht und alles, was nicht zu Rechts gehört, kurzerhand zu Links zugeordnet. Der Begriff „Autonome“ rückt das Ganze dann scheinbar in die Nähe der früheren ApO aus unseren Sturm- und Drangtagen, wenn ich dass aus unserer Altersstufe mal so extrapolieren darf. Während die ApO allerdings mit politischen Forderungen aufgetreten ist und Krawall lediglich ein Mittel zum Zweck war, ist bei den Autonomen Krawall der einzige Zweck, oder hast du außer von solchen „Aktionen“ von denen schon mal was politisches gehört? Deshalb weigere ich mich, obwohl ich kein Linker bin und von daher die Linksassoziation für mich möglicherweise nützlich wäre, diese Leute mit den Linken zu assoziieren.

Hinsichtlich der Parteien bin ich ziemlich ratlos und pessimistisch. Das Durchwinken des EU-Vertrages, der in dieser Form, als er noch EU-Verfassung hieß, (nicht nur) vom (deutschen) Verfassungsgericht als verfassungswidrig verboten wurde, und die nun lauter werdenden Stimmen, die Legislaturperioden deutlich zu verlängern, da „der Bürger zu viel wählt“, gehen deutlich in die falsche Richtung.

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Steffino
Mai 3, 2008 0:37

4

wo es es jetzt heisst, nur durch das beherzte eingreifen der polizei seien todesfälle verhindert worden, da könnten böse zungen doch glatt behaupten, die demonstrationen der rechten und linken wären absichtlich in solch zeitlicher und örtlicher nähe genehmigt worden..

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Gilbert
Mai 3, 2008 8:54

5

@ Steffino: laut diverser Meldungen gab es seitens der Polizei ein klares Trennungskonzept, das in fast allen Fällen mehr oder weniger erfolgreich war, in Hamburg aber gerichtlich ausgehebelt wurde. Falls das stimmt, müsste man sich mal über die Qualität von Richtern und darüber, wieviel Menschenleben und Sachschaden ein blöder Paragraph wert ist, unterhalten.

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Horst Schulte
Mai 3, 2008 9:54

6

Es gibt Leute, die die Gefahren solcher Demos überschätzen. Andere unterschätzen sie. So ist das in einer Gesellschaft. Wenn es dann zu solchen Eklats kommt sind nachher alle klüger. Es ist ja für uns nun nichts Neues, das Rechte und Linke aufeinander los prügeln. Vielleicht liegt der Unterschied nur in der „Qualität“ der Gewalttätigkeiten. Allein das ist, finde ich, allerdings besorgniserregend. Es hat vielleicht weniger mit den politischen Überzeugungen dieser Gruppen als mit dem Maß an Frust zu tun, das dort abgearbeitet wird. Ich weiß, eine gewagte These, die ich vielleicht nur für die autonome Szene in dieser Form aufrechterhalten kann. Die Nazis machen das aus politischen Gründen. Einmal hat das schon geklappt.

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