Medien · Samstag, 19.April 2008 21:03 · 9 Kommentare
Die Süddeutsche Zeitung hat ein Problem mit uns
Die erneute Beschäftigung der Süddeutschen Zeitung mit der deutschen Blogszene spricht doch eigentlich eher für als gegen uns. Der Artikel ist lang und -Entschuldigung- ziemlich belanglos. Unter dem SZ-Niveau.
In meinen Augen trifft die Beurteilung ganz einfach nicht zu. Wir sind ganz einfach anders, als es dort beschrieben wird. Dass sich deutsche Blogger von amerikanischen, englischen oder anderen unterscheiden, muss ja wohl nicht unbedingt ein Nachteil sein. Warum sollten wir uns so etwas einreden lassen?
Was mich persönlich etwas an der deutschen Blogszene stört, ist der unübersehbare Hang zur Selbstreferenzialität. Wir drehen uns zu stark um uns selbst. Das erweckt einen falschen Eindruck. Und ja, scheinbar sind Blogtechnik und Dinge, die eigentlich mit dem, was Bloggen ausmachen sollte, wichtiger, als Misstände anzuprangern. Obwohl – ich persönlich tue das ja am laufenden Band. Natürlich nicht zur Freude aller. Und es gibt genügend Blogs (sehr gute – möchte ich hinzufügen), die sich ebenfalls mit Politik und gesellschaftlichen Fragen kritisch auseinandersetzen. Dort ist man ganz anderer Meinung als ich – in politischer Hinsicht jedenfalls. Natürlich steht es weder der Süddeutschen Zeitung noch mir zu, über die Qualität einer deutschen Blogsphäre Urteile abzugeben. Aber lasst sie mal.
Ich blogge aus Spaß an der Freude und so oberflächliche Berichte machen mich ehrlich gesagt weder nachdenklich, noch ärgerlich.
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9 Kommentare
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In diesem Sinn kann ich dir zustimmen. Allerdings wäre es mir lieber, wir würden etwas weniger über Technik und mehr über Politik oder gesellschaftliche Dinge schreiben. Das kommt mir persönlich manchmal auch etwas zu kurz.
Wolfgang Scheuble hat nun auch ein Problem.
In der neusten Datenschleuder, das ist die Zeitung des ccc (Computer Chaos Club) wurde nämlich sein Fingerabdruck veröffentlicht.
Und was man damit so alles machen kann, das seht ihr hier 
http://www.frogged.d...;id=169&Itemid=2
Mich stört, dass viel zu wenig diskutiert wird. Als Blogger wird man meist deutlicher als die Medien, vielfach vermutlich sogar etwas überzogen deutlich aus Frust, dass kaum einer reagiert. Und falls sich mal jemand mit einer anderen Ansicht in einen Blog verirrt, gibt’s etwas Polemik, aber bei dem einen Kommentar bleibt es oft und eine Diskussion mit Argumentaustausch kommt gar nicht erst in Gang.
@Gilbert: Zuspitzungen wären das Ding der Blogs. Du liest sicher auch in Blogs, in denen lebhaft diskutiert werden. Das sind vorwiegend gute bis sehr gute Blogs. Allerdings fällt mir auf, dass mich linke Blogs eher wenig ansprechen. Ich lese gerne beim Antibürokratieteam und natürlich bei den BlOG’s. Zum Mitdiskutieren habe ich aber dort wenig Lust. Ich fühle mich dort auf verlorenem Posten. Zuviel geballte Intelligenz ist nicht gut für das eigene Selbstwertgefühl. Dann gibt es leider auch Blogs (ich weiß, du bist da anderer Meinung), die ich auch lesen und auf denen auch die Post(ings) abgehen. Das geht mir zu oft daneben. Anders ausgedrückt: Ich mache mir, wenn ich viele dieser Einträge lese, wirklich Sorgen um unser Land. Denn eines spürt man auch ganz deutlich. Dort werden keine Minderheitenmeinungen ausgetauscht. Diese Schlussfolgerung beziehe ich nicht auf unsere virtuelle, sondern auf die reale Welt.
Vielleicht liegt unser Defizit daran, dass bei uns in Deutschland die Diskussionskultur nicht ausreichend entwickelt ist. Man kann daran arbeiten – aber das dauert.
![]()
mein-parteibuch.com » Simon Feldmer als journalistisches Vorbild
[…] politische Blogger euren Stuss dann als “ziemlich belanglos” und “unter … Niveau” abtun oder Euch empfehlen, “anständige Recherche zu betreiben und mehr als nur die […]
Mir macht vor allen Dingen die Ideologisierung in der Politik Sorgen, die man am Besten mit „political correctness“ umschreibt. Wir haben jede Menge zu lösende Probleme, aber es wird immer nur ideologisch dran lang gehangelt, statt mal pragmatisch dranzugehen. Beispiele:
Energie: Windmühlen sind gut, alles andere ist schlecht. Das wir nicht weiterkommen, indem wir alle Technologien schlicht verbieten oder verhindern, die den Grünen nicht passen, ist nicht diskutierbar.
Ausländische Mitbürger: wir haben ein Problem damit, dass es zu viele „Mitbürger“ gibt, die gar keine sind oder sein wollen. Das ist mit der Politik nicht diskutierbar.
Renten: das heutige Umlagesystem kann aufgrund der demographischen Entwicklung nicht funktionieren. Grundsätzlich ist das Modell aber nicht diskutierbar, auch wenn heimlich ein paar Schritte Richtung Selbstvorsorge gemacht werden, ohne allerdings dafür zu Sorgen, dass das überhaupt funktionieren kann.
Bildung: das System ist derzeit eine Katastrophe, und die Schritte, die dorthin geführt haben, sind ziemlich genau nachvollziehbar. Ist ist aber nicht diskutierbar, dass es vielleicht sinnvoll wäre, den Weg, der uns in das Desaster gebracht hat, mal zu verlassen.
Undsoweiter, undsoweiter …
Die Diskussionsunfähigkeit zeigt sich ziemlich prägnant in Bezug auf die Rechten. Sämtliche Parteien geben in internen Papieren zu, denen in vielen Diskussionen nicht gewachsen zu sein. Das liegt aber nicht an der Qualität der rechten Ansichten, sondern schlicht daran, dass man die Argumente mal ernst nehmen und ohne ideologische Scheuklappe beantworten muss. Das macht keiner, und der Grund ist mal wieder nicht diskutierbar.
Wenn irgendwas angepackt wird (die Ideologie ist ja nicht immer falsch), geschieht das immer nur halbherzig. Beispielsweise propagiert man die Ganztagsschule nach finnischem Vorbild, aber eben nur bis zu dem Punkt, wo die Schüler den ganzen Tag aufbewahrt werden, nicht aber unter Einschluss der sonstigen Rahmenbedingungen. Letztendlich ist das Killerargument immer das fehlende Geld. Das fehlt aber gar nicht! Man muss nur mal pragmatisch entscheiden, wozu man es ausgibt: um sinnlose Magnetschwebebahnen zu bauen oder Großkonzernen Subventionen aufzudrängen, oder mal für was vernünftiges. Aber auch das ist nicht diskutierbar.
Zeigst du damit nicht die Grenzen einer Demokratie auf? Das entspräche ja im Grunde der Kapitulation vor dieser Demokratie. Ich denke, grundsätzlich sind Menschen lernfähig. Vielleicht ist einfach der „Leidensdruck“ noch nicht groß genug. Jedenfalls hast du damit recht, wenn du bemängelst, dass viele Dinge nicht beim Namen genannt werden. Allerdings glaube ich nicht, dass der Grund dafür ideologische Sichtweisen sind. Vielmehr haben viele Politiker davor Angst, sich angreifbar zu machen und Stimmen zu verlieren. Diese Unehrlichkeit nehmen wir alle wahr und das ist das Dilemma. Es stellt auch die Glaubwürdigkeit derjenigen in Frage, die wirklich nach ihrer Überzeugung reden und handeln.
Es gibt kaum noch Politiker, die als Vorbilder gelten. Das kann für meine Begriffe nicht daran liegen, dass all diese Menschen wirklich so sind, wie es uns auch durch die Medien „verkauft“ wird. Vielleicht ist dieses „Verkaufen“ nicht mal ausdrücklich gewollt, sondern es ist ein Resultat aus unserem gegenseitigen Umgang miteinander. Respektlosigkeit darf auch nicht als Antwort auf die auch von dir erwähnte politische Korrektheit verstanden werden. Ist Respektlosigkeit 1) das richtige Wort? Ja, ich denke doch. Also, von dieser Seite aus betrachtet, könnte man auch sagen, dass wir zu wenig auf die Meinung anderer geben.
1) Alternativ könnte man auch sagen: Anmaßung, Dreistigkeit, Frechheit, Gemeinheit, Respektlosigkeit, Schamlosigkeit, Ungehörigkeit, Ungezogenheit, Unverfrorenheit, Unverschämtheit.
Ich hoffe, du hast Recht in Bezug auf den Politikercharakter. Ich erlebe es eigentlich permament anders herum und bin entsprechend frustriert und auch ziemlich hoffnungslos inzwischen. Vor ein paar Tagen äußerte sich wieder ein „Bildungsexperte“ aus dem Bundestag im Deutschlandradio über die Untersuchungsergebnisse eines Profs., der obendrein noch von seiner Partei beauftragt war, aber nicht die gewünschten Ergebnisse geliefert hat, sinngemäß etwa mit „das ist ja ein dummer Junge, von dem wir uns nicht reinreden lassen“. Und Wowereit hat in Bezug auf ein Bürgerbegehren zum Flughafen Tempelhof in der Presse mehr oder weniger offen „ich scheiß drauf, egal was da rauskommt“ verlautbart. Letztenendes führt so was auf die Dauer dazu, dass man nicht nur kein Vorbild mehr in irgendeinem Politiker entdecken kann, sondern sich auch vom Staat als solchem abwendet, wenn nicht sogar zum Gegner mutiert.
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Selbstreferenz ist auch eine Kontrollfunktion. Vielleicht ist gerade sie der Unterschied zu den alten Medien. Eine Süddeutsche oder ein Spiegel kotzen Tag für Tag ihren Mist aus und kümmern sich nicht mehr darum. Einem Blogger wird das ausgekotzte notfalls sein Leben lang um die Ohren gehauen. Ob Opel oder sonstiger Werbestrich.
Das mag manchmal über die sinnvollen Grenzen hinausgehen, aber es ist wenigstens etwas Kontrolle da. Hätten unsere Qualitätmedien doch auch ein wenige mehr Selbstreferenz.
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