Unsortiert · Sonntag, 6.April 2008 2:04 · 10 Kommentare
Der Blog als Imageschaden
Mich würde mal brennend interessieren, ob an dem, was ich bei Chris gelesen habe, wirklich etwas dran ist und ob Blogger in dieser Hinsicht wirklich Zurückhaltung üben.
Ist es vorgekommen, dass jemand beruflich Nachteile hatte, weil er bestimmte Themen angefasst oder sich in eine bestimmte Richtung (politisch zum Beispiel) geäußert hat? Diese Diskussion habe ich vor etlichen Monaten (noch unter Finger.Zeig.net) mal geführt. Damals wurde gewarnt, dass die Personalabteilungen vieler Unternehmen ein waches Auge auf die Internet-Auftritte ihrer Arbeitnehmer haben würden. Jedenfalls, so schrieb ein Leser, sollte man sich darüber im Klaren sein, dass Neueinstellungen durchaus gefährdet werden könnten, je nachdem welche Themen oder Meinungen eine Bewerberin oder ein Bewerber übers Internet publizieren.
Wenige Kolleginnen und Kollegen lesen mein Blog. Dabei ist interessant, dass diese sich zu den Beiträgen eigentlich so gut wie nie äußern. Nun ist es ja generell nicht jedermanns Sache, sich öffentlich zu irgendwelchen Dingen zu Wort zu melden. Wäre auch schrecklich, wenn plötzlich alle den Drang verspürten, ihre Meinung kundzutun. Aber wie ist es nun? Muss man Sorge haben, beruflich Nachteile zu bekommen? Inbesondere natürlich wenn man kritische Positionen zu gewissen Themen einnimmt?
Um das gleich ganz deutlich zu sagen: Ich halte mit meiner politischen Meinung nicht hinterm Berg. Und ich werde es auch nie tun. Das verspreche ich – hier und jetzt! Übrigens habe ich das auch nie getan. Schon als Lehrling (heute: Auszubildender
), wurde ich als „SOZI“ betitelt. Der betreffende Kollege (übrigens ein ziemlich radikaler) und ich erinnere mich sehr gut an ihn, flösste mir keine Ehrfurcht ein. Aber das war 1968 und seitdem hat sich bei Gott viel geändert.
Also, wie haltet ihr es?
Update: Sonntag, 6.April 2008 15:06
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Wenn man wegen der Inhalte seines Blogs eine Stelle nicht bekommt, dann war es die Stelle nicht wert, dass man sie angenommen hätte.
In diesem Fall liegt die generelle Haltung des betreffenden Unternehmens (bzw. der Personen, die es repräsentieren) so weit von der eigenen Weltsicht entfernt, dass das Verhältnis sowieso auf Dauer nicht hätte gelingen können.
M.a.W.: Macht man seine eigene öffentliche Präsenz (was längst nicht nur die Webseite betrifft) gefällig im Sinne von marktkonform, aktiviert man nicht bloß die berüchtigte Schere im eigenen Kopf, man macht sich im Grunde selbst zur erwartungskonformen Ware.
@Gilbert:
Wenn man beispielsweise eine Vormundschaft übernimmt – für ein Kind oder die Alsheimer-Eltern – so muss man sich das genauso als “Nebentätigkeit” genehmigen lassen wie das Schreiben eines Romans als Freizeittätigkeit.
Ich wusste zwar, dass man sich Nebentätigkeiten genehmigen lassen muss (steht auch in meinem Vertrag und ist wohl auch in der freien Wirtschaft durchaus üblich). Dass es jedoch soweit geht war mir nicht bekannt. Ich finde das allerhand. Eine mögliche Motivation hattest du ja bereits „geliefert“. 
@Boris: Deine Schlussfolgerung (im 1. Satz) würde ich teilen wollen, wenn nicht der Arbeitsmarkt immer noch so wäre, wie er ist. Da muss man vielleicht doch vorsichtig sein. Meine politische Gesinnung ist jedenfalls auch in diesem Blog leicht abzulesen. Und genau daran werde ich auch nix ändern. Schließlich gibt es wohl andere Kriterien, nach die Arbeit einer Mitarbeiters oder einer Mitarbeiterin bewertet werden sollten.
Danke für eure Beiträge!
Gruß und einen schönen Sonntag
Horst Schulte
Ich übe schon Zurückhaltung. Ich habe seit Wochen einen Artikel über Kommentare bei Online-Medien in der Schublade, den ich der eigenen Kommentarpolitik meines Arbeitgebers, lokaler Fernsehsender, nicht veröffentliche.
Im Prinzip hängt bei so etwas aber auch viel von der Kritikfähigkeit des Arbeitgebers ab und dem Feingefühl des Bloggers. Wenn beides vorhanden ist, spricht es eigentlich eher gegen eine Art Vorzensur.
@Thomas: Ich hatte vor ein paar Monaten einen Artikel geschrieben, den ich kurz danach lieber doch als „Privat“ (Wordpress) gekennzeichnet habe. Es ging um die Entlassung meines damaligen Chefs. Über gewisse Grenzen kann man eben nicht hinweg.
Ich hoffe da ja immer auf die Vernunft aller Beteiligten: wenn man seine Meinung weitestgehend sachlich, rücksichtsvoll und mit Verständnis für abweichende Meinungen vertritt (wie das z.B. hier der Fall ist), sollte man (on- wie offline) keinen Ärger bekommen. Ausser bei Chefs/Personalern/Kunden, die im Umgang eh problematisch oder despotisch sind. Es kann doch niemand ernsthaft verlangen, dass man politische Meinungen ganz für sich behält?
Aber es kommt eben schon drauf an, wie man sie kundtut. Einen Menschen, dessen Blog aus Flamewars und wüster Zeterei besteht, möchte man vielleicht gar nicht unbedingt einstellen (auch wenn man seine politische Einstellung ok findet).
Extremfälle sind natürlich Arbeitgeber, die selbst ideologisch festgelegt sind. Ich vermute, einige meiner Einträge kämen gar nicht gut an, wenn ich für die Adenauerstiftung oder die katholische Kirche arbeiten wollte. Oder gar für die „SOZIS“
Aber bis jetzt sieht meine Karriereplanung nicht so aus.
@cohu: Nee, für so radikale Institutionen will ich auch nicht arbeiten. Dann ist ja Ärger programmiert. Hier versuche ich mich mit wachsendem Erfolg am Riemen zu reißen und meine wahre politische Gesinnung nicht zu arg herauszustellen. Das kommt dann natürlich auch meinen Mitdiskutanten zugute. 
Ich denke, dass man das nicht generell sagen kann. Es kommt drauf an, was man schreibt, worüber, welche Meinung man wie vertritt… auf den Arbeitgeber – das Unternehmen, die Vorgesetzten, den eigenen Status…
Und es ist oftmals keine gute Idee, ganz offen Themen aus dem Job im Blog zu besprechen…
Sonst ist es vielleicht gut, wenn man sich nicht ultralinks, -rechts… darstellt.
…ich als Kollegin zwei Schreibtische weiter kann selbst nicht wirklich beurteilen, wie die öffentliche Meinungsäußerung eines Bloggers sein Verhältnis zum Arbeitgeber beeinflussen kann, aber vielleicht passt es an diese Stelle zu sagen, daß eine fundierte, durchdachte Meinung und freundliche Diskussionsbereitschaft durchaus dazu beiträgt, das Klima im Büro selbst zu verbessern. Und dabei ist es meiner Meinung nach ziemlich gleichgültig, welcher Standpunkt nun letztendlich vertreten wird. (Mario hat schon Recht… nicht ZU krass natürlich.
) Das hilft ungemein, die entsprechenden Personen mal als Menschen wahrzunehmen und nicht nur als oberflächliche „Schicksalsgenossen“ im Arbeitsalltag. Ich finde es oft schade, daß die Persönlichkeit in ihrer Ganzheit auf der Arbeit oft untergeht, nicht wahrgenommen wird oder aufgrund vielfältiger Faktoren einfach nicht eingebracht werden kann (und dabei verbringt man einen Großteil des Lebens im Büro)… und dadurch natürlich auch Potenzial für den Arbeitgeber verloren geht.
@Doro: Sehr schöner Kommentar. Da bin ich absolut Ihrer Meinung. 
Sag es: Jetzt, hier und heute :-)
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Ob man in Unternehmen Zeit und Geld investiert, um seine Mitarbeiter privat auszuspähen,glaube ich eher nicht. Da muss man wohl schon massiv imageschädigend auftreten, um aufzufallen.
Im öffentlichen Dienst sieht es aber vermutlich anders aus. Hier wird auf vielen Gebieten sehr viel Geld (und Personal) in Überwachung investiert. Warum nicht auch in die gesinnungsmäßige Überwachung der Mitarbeiter? Der Arbeitgeber maßt sich hier auch teilweise Ungeheuerliches an. Wenn man beispielsweise eine Vormundschaft übernimmt – für ein Kind oder die Alsheimer-Eltern – so muss man sich das genauso als „Nebentätigkeit“ genehmigen lassen wie das Schreiben eines Romans als Freizeittätigkeit.
Warum das so ist? Meine (ein wenig ketzerische) Vermutung: die sich so etwas ausdenkene (politische) Spitze projiziert wohl nur ihre eigene Korruptheit in die Mitarbeiter.
Ich bin im öffentlichen Dienst, kann aber nicht mehr befördert werden und habe auch nicht vor, die Stelle zu wechseln. Wer beides noch vor sich hat, dem würd‘ ich allerdings empfehlen, den Mund nicht ganz so weit aufzureißen wie ich.
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