Gesellschaft, Kritisch · Freitag, 4.April 2008 19:39 · 3 Kommentare
Ökonomisches oder ökonomisiertes Gesundheitssystem
Ein sehr negatives und auch beunruhigendes Beispiel für den Status unseres Gesundheitswesen lieferte WDR5 in einem Bericht von heute:
In einem Altenheim erhielt eine Macumar-Patientin das normalerweise verabreichte Medikament nicht, weil der Arzt die Sorge hatte, er würde durch die Überschreitung seines Budgets von der betreffenden Krankenkasse selbst zur Kasse gebeten. Die Frau starb 4 Tage später.
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Gelesen: 183 · heute: 3 · zuletzt: 24. July 2008 | Drucken | Trackback-Link | Rivva
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Eine frühere Nachbarin von mir war Ärztin. Sie wurde wegen Budgetüberschreitungen bei der Verschreibung von Medikamenten am Jahresende das ein oder andere Mal zur Kasse gebeten, in einem Fall mit mehr als 30.000 DM.
Das war vor ca. 12 Jahren. Heute würde das vermutlich bedeuten, dass der Arzt Privatinsolvenz anmelden dürfte oder zumindest in der Steuererklärung irgendwo auf Hartz-IV-Niveau operiert.
Wenn der Arzt viele ältere Patienten mit höherem Medikamentenaufkommen hat, kommt er vermutlich schnell an die Grenze. Mich wundert’s nicht, dass er im Interesse des eigenen wirtschaftlichen Überlebens dann auch schon mal Risiken bei den Patienten eingeht. Wenn ihr dafür aber jemand in den Allerwertesten treten wollt, seid ihr bei Ulla Schmidt besser aufgehoben, denn die hat die Situation zu verantworten und kennt diese Folgen eben schon seit mehr als 12 Jahren, ohne den gesetzlichen Unfug, der die Ärzte dazu zwingt, zu beseitigen.
Dass solche Dinge nicht allein einzelnen Menschen angelastet werden können (wie in diesem Fall dem Arzt), sondern dass sie Auswirkungen eines verkackten Systems sind, ist schon klar. Andererseits sollte die Ausgangslage aber für niemanden ein Grund sein, die eigene Verantwortung einfach auszublenden.
Man hat sich übrigens nach diesem Fall, der bereits ca. 1 Jahr zurück lag (wenn mich meine Erinnerung nicht im Stich lässt), verabredet, dass Patienten in Altenheimen von den Folgen der Budgetierung nicht mehr getroffen werden können. Die Patientinnen und Patienten erhalten also in dieser Region nach einer Absprache zwischen den beteiligten Parteien die medizinische Versorgung, die sie benötigen. Ein richtiger Schritt, leider gibt es wohl für diese Handhabung kein weiteres Beispiel in Deutschland. Es ist offenbar den heftigen Diskussionen nach dem erwähnten Todesfall geschuldet. Zunächst muss also immer etwas derart gruseliges geschehen, damit die Leute handeln.
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Ich will nicht wissen, wie oft so etwas vorkommt
…
Da kommt dann die Frage auf, wie wichtig/nützlich ist ein alter Mensch noch …, obwohl man diese Frage niemals stellen sollte!
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