Autor Horst Schulte · 27-03-2008 · Tags: Arbeitsplätze, Armut, Cicero, Deutschland, Gesellschaft, Linksruck, Medien, Politik, SPD
Gar nicht uninteressant ist dieser Artikel des Cicero – Herausgebers Wolfram Weimer. Vor allem zeigt er eines: Die Wahrnehmung der so genannten deutschen Eliten (egal ob in der Politik oder in den Medien) scheint ziemlich defizitär zu sein – gelinde ausgedrückt.
Behauptungen, die ihresgleichen suchen
Seit 1989 fehlt dem kollektiven Bewusstsein das äußere Koordinatensystem des ideologischen Links-rechts-Wettstreits; nun erodiert auch im Inneren das Spiel klarer weltanschaulicher Verteilung.
Wenn er sich da mal nicht irrt…
Und hier:
Man hätte auf die Wirtschaftswissenschaftler hören können, die detailgenau diagnostizieren, dass der vermeintliche Wohlstandseinbruch in der unteren Hälfte der Gesellschaft gar nicht stattfindet. Vielmehr sind die Hunderttausenden neuer Arbeitsplätze just dort entstanden. Vom Reiseverhalten der Massen über die Ausstattung mit Handys, Internetanschlüssen und Flachbildschirmen bis zur Verlängerung der Lebenserwartung (also einem medizinischen Wohlstandssprung) bildet sich in Wahrheit kein Abstieg, sondern ein Aufstieg der unteren Bevölkerungsschichten ab. Ein Blick in die massenhaft entstehenden Reihenhaussiedlungen verrät mehr von Deutschlands wohliger Kleinbürgerwirklichkeit als Lafontaines Gespenstererzählung über die Armut.
(Hervorhebungen durch mich.)
Wie, verehrter Herr Weimer, wäre es denn, wenn man auf ein paar Soziologen statt auf Wirtschaftswissenschaftler hören würde? Nur mal so gefragt… Allein an der Auseinandersetzung zu diesem Punkt zeigt es sich für meine Begriffe, dass die „idelogischen Links-rechts-Wettstreits“ dann vielleicht doch nicht so ganz überwunden sind. Ich habe auch mitgekriegt, dass die Tourismusindustrie jubelt über ihre tollen Umsätze. Das könnte ein Hinweis darauf sein, dass Weimer so falsch nicht liegt. Nur – wie so häufig im Leben – man sollte schon ein wenig genauer hinsehen. Und die Informationen(!) gerade der letzten Zeit, widerlegen ganz einfach einen Teil der dem Weimer-Artikel zugrundeliegenden Behauptungen.



10. 10. 2008 · 21:21
Die soll’s ja geben… 9. 10. 2008 · 23:37









Das hört sich so ähnlich an wie die ständige Behauptung, in Wirklichkeit sei doch gar nicht alles für das tägliche Leben teurer geworden, wobei dann geflissentlich übersehen wird, dass viele, die früher im Delikatessgeschäft eingekauft haben, heute zum Lebensmitteldiscounter pilgern. Die sind in den letzten Jahren in einem Umfang aus dem Boden geschossen, dass die Pilze im Moment Probleme haben, mitzuhalten. Und wenn man sich mal ein paar Jahre zurück erinnert: da musste beim Einkauf bei 30 DM Schluss gemacht werden, weil der Einkaufswagen voll war, heute ist auch nach 100 Euro noch reichlich Platz.
Fazit: es kommt wie immer nur darauf an, aus den Fakten peinlich genau nur die zu selektieren, die die vorgefertigte Meinung untestützen.