Wirtschaft · Samstag, 22.März 2008 15:16 · 5 Kommentare
Josef befiehl, wir folgen (was bleibt uns übrig?)
Bis vor gar nicht so lange Zeit erhielt ein Hedgefont Kredite zu niedrigen Zinsen. Die Kredithöhe belief sich auf die bis zu 30fache Summe des Eigenkapitals. Die Banken profitierten von den Geschäftspraktiken dieser „Unternehmen“, weil sie bekanntlich die mit Hilfe des Geldes erworbenen Firmen ausschlachteten. Die rot-grüne Regierung hat solche „Geschäfte“ auch in Deutschland ermöglicht. Agenda 2010 sei Dank!
Wenn heute J. Ackermann, Deutsche Bank, nach einer konzertierten Aktion ruft, ist das höchstwahrscheinlich ein Hinweis darauf, wie schwerwiegend die Finanzkrise sich in Deutschland noch auswirken könnte. Im Moment ist davon die Rede, dass sie (weltweit) 800 Mrd. Dollar „verschlingen“ wird. Gut, dass ich keine Aktien habe. Deshalb habe ich bisher von diesem ganzen Mist noch überhaupt nichts gemerkt. Die Dieselpreise waren ja schon im Steigen begriffen. Da war der zusätzliche Schmerz nicht mehr so groß, als sie aufgrund der hysterischen Reaktionen an den betreffenden Märkten mit den auch dort tätigen Finanzjongleuren weiter nach oben geklettert sind.
Auszuschließen ist wohl nicht, dass wir bzw. unsere Konjunktur von den Wirkungen dieser Krise noch richtig getroffen werden. Würde der Staat und die Notenbank in diesem Fall nicht „intervenieren“ (leider mit unserem Geld) säßen wir bestimmt am Ende des Tages mitten in einer Weltwirtschaftskrise. Insofern muss man den „Hilferuf“ Ackermanns wohl sogar begrüßen. Allerdings bleibt für meine Begriffe festzuhalten, dass die maßlose Gier vieler Investmentbanker wieder mal bewiesen hat, welche Segnungen der Kapitalismus selbst für den kleinen Mann bereit hält. Denn es bleibt dabei: Die Gewinne werden privatisiert und die Verlust sozialisiert. Und das, damit wir alle nach einer solchen Krise wenigstens noch unsere paar Groschen auf der Bank haben. Wenn es die nicht mehr gäbe, weil die Spekulanten ihr Werk sozusagen vollendet hätten, wäre auch keinem geholfen.
Update: Sonntag, 23.März 2008 12:55
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5 Kommentare
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Weitgehend teile ich deine radikale Meinung. Aber die Schlussfolgerung erfordert doch ein wenig mehr Mut, als ich ihn aufbringe. Ich glaube nicht, dass unsere Gesellschaft einen solchen Konflikt wirklich überstehen würde. Ich ich möchte zwar Teile des Systems verändern, nicht aber das Ganze erstören. Ich wähne mich in einer Demokratie und das würde ich gern auch weiterhin tun.
Also: Viel Zustimmung aber deine Konsequenz kann ich nicht aufbringen. Zu feige.
Andererseits ist der Staat doch auch nicht besser! Bei 30% Besteuerung der Zinsen, die ja nur auch wieder die kleinen Leute trifft (wer 1.000.000 Zinsen kassiert und davon nur 250.000 ausgeben kann, muss sich um 300.000 Steuern keine Sorgen machen), muss man ja schon Gewinne oberhalb der sinnvollen Grenze machen, damit nach Inflationsausgleich was übrig bleibt. Nicht nur die Ackermänner heizen das System an, auch die Steinbrücks und Genossen, die den Bürger in immer stärkerem Maße als Ausplünderungsobjekt behandeln.
@Gilbert: Der Staat ist natürlich ebenfalls beteiligt. Nur bin ich mir nicht im Klaren darüber, ob sich das nur an einer einzelnen Partei, also in diesem Fall an der SPD, festmachen lässt. Das sage ich, ohne die Fehler der SPD damit vertuschen zu wollen.
@ Horst: nee, mit Sicherheit nicht. An der Aktion, jeden, der etwas in diesem Staat leistet und dadurch mehr Geld verdient, zum Staatsfeind aufzubauen, sind alle beteiligt. Aber bei der schon fast perversen Hektik, die jetzt mit den Steuersündern an den Tag gelegt wird, kann man sich schon fragen, ob das nur um „Gerechtigkeit“ geht oder dem Staat das Wasser ähnlich weit am Hals raufreicht wie den Finanzjongleuren.
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Wir tun immer so als ob Ackermann, die Banken, Fonds und Hedgefonds tatsächlich die Weltwirtschaft darstellen. In Wirklichkeit sind sie nur Teilnehmer an der Wirtschaft, wie der Bäcker an der Ecke und der Elektromeister. Wackelt der Bäcker werden ihm die Kredite gesperrt und er geht pleite. Der nächste Bäcker macht auf, oder die beiden anderen Bäcker in der Nähe bekommen mehr Kunden.
Das nennt man Kapitalismus. Nicht immer schön, aber genaus so gewollt. Wenn ich am Pokertisch sitze und einem „All In“ alles auf einen Bluff setze, dann bin ich der Größte wenn ich gewinne und das größte Arschl…. wenn ich verliere. Das ist Leben.
Wir alle wissen, das Renditen aus industrieller Produktion, Land- und Forstwirtschaft sowie Dienstleistung normalerweise zwischen 2,5 und 10 Prozent schwanken, wobei die Mehrheit, um die, 3,5 Prozent liegt. Das ist Realität.
Wenn Josef Ackermann und andere Spekulanten Renditen zwischen 20 und 30 Prozent fordern und für sinnvoll erklären, dann sagen sie damit gleichzeitig das sie betrügen wollen, da diese Renditen nicht zu erwirtschaften sind.
Wer also durch Betrug mit den Mitteln des Kapitalismus das Leben für sich entscheiden will ist bestenfalls naiv, da der berühmte Krug eben nur so lange zum Brunnen geht bis er bricht.
In der Vergangenheit hat unser Staat dann immer schweren Herzens oder gut bestochen gesagt, das er den Hasadeuren ein letztes Mal unter die Arme greift. Damit wird das Geld des Großkapitals zu Lasten aller für den Moment gerettet.
Allerdings völlig ohne Sinn. Wer für seine Fehler nicht bestraft, ja nicht einmal ermahnt wird, kann nicht lernen. Deshalb geht es genau so weiter wie bisher. Bis zum nächsten Knall.
Knall folgt Knall. Immer zu Lasten der arbeitenden Menschen. Das ist keine Lösung. Deshalb lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende.
Die Wirschaft braucht eine derartige Misswirtschaft nicht. Der Schaden würde endlich die Richtigen treffen und vielleicht klug machen, auf jeden Fall aber aus dem Spiel nehmen.
Lasst die Banken pleite gehen. Das werden sie im Endeffekt auf jeden Fall.
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