Gesellschaft · Freitag, 15.Februar 2008 19:34 · 3 Kommentare
Sarkozys neueste Idee: Kinder als Paten der Opfer des Holocaust
Dass Sarkozys Vorschläge die eigenen Landsleute und sogar seine eigenen Parteigänger überraschen, ist ja längst keine Neuigkeit. Jetzt hat er wieder ein Ding ausgepackt, da schüttelt es einen zunächst einmal. Er möchte, dass Grundschulkinder die Patenschaften von Holocaust-Opfern übernehmen.
Bei näherem Hinsehen finde ich diese Idee aber so schlecht nicht. Die Zeitzeugen der Shoah werden allmählich weniger, sowohl auf der Opfer- als auch auf der Täterseite. Da stellt sich für meine Begriffe doch die Frage, ob wir die Erinnerung an diese furchtbaren Ereignisse wirklich nur den Geschichtsbüchern und den Medien überlassen können. Ist nicht vielleicht eine möglichst frühzeitig Auseinandersetzung unseres Nachwuchses mit diesem Thema, das auf natürliche Weise irgendwann verblassen könnte, viel sinnvoller?
Außerdem erinnere ich daran, wie früh manche Kinder heute bereits an gewisse Lebensrealitäten herangeführt werden. Und das offenbar ohne, dass sie hierdurch Schaden nehmen.
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Gelesen: 323 · heute: 3 · zuletzt: 24. July 2008 | Drucken | Trackback-Link | Rivva
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Du weißt, dass du mit diesem Standpunkt in Deutschland nicht weit kommen wirst? Die Einzigartigkeit des Holocaust wird stets betont und alle bisherigen Vergleichsversuche heftigst kritisiert.
Persönlich denke ich, dass man dafür Verständnis haben kann, dass „qualitative Vergleiche der Nazitaten mit anderen ethnischen Verbrechen“ unterbleiben sollten. Am Ende führen sie zu nichts. Auch dann nicht, wenn sehr viele Menschen wissen, dass es schreckliche Pogrome und Völkermorde in der Geschichte der Menschheit gegeben hat. Ich meine, dass es gerade in unserem eigenen Interesse gut ist, die Erinnerung an „unsere“ Greueltaten wachzuhalten.
Würden wir alle der Meinung sein, dass die Nazitaten also nur einen Teil der Menschheitsgeschichte repräsentieren und damit kein einzigartiges Verbrechen darstellen, geriete die noch bestehende Allgegenwärtigkeit dieses Stigmas in den Hintergrund. Ich würde das nicht wollen. Und glaube mir, ich bin kein Masochist.
Es geht mir nicht um irgendwelche Vergleiche, die ich zu führen gedenke. Es geht mir auch nicht darum, hier irgendetwas in Vergessenheit zu bringen. Im Gegenteil wäre es schön, wenn andere Nationen – und da gibt es vermutlich sehr sehr wenige, die das nicht brauchten – sich daran ein Beispiel nehmen und mal ihre Untaten auch aufarbeiten würden.
Ich halte es für absolut kontraproduktiv, wenn Deutsche und Juden hier die Weltmeisterschaft für sich in Anspruch nehmen und jede Diskussion gesetzlich verboten wird, damit auch ja keiner an dieser Rolle kratzt. Alles andere wird damit nebensächlich und offensichtlich auch entschuldbar.
Wie einzigartig das wirklich ist? Darauf kann ich nur die in der BRD gesetzlich vorgeschriebene Auskunft geben, die ja jeder kennt und hier nicht wiederholt werden muss.
Bereits im 5. Jh. wurde nach römisch-christlichen Progromen Ägypten „judenfrei“ gemeldet – davor lebten dort ca. 60-70% der jüdischen Weltbevölkerung. Denken sollte man auch an die vielen vollständig ausgerotteten Völker in Nord- und Südamerika mit geschätzt deutlich mehr als 10 Mio. Toten. Die ethnischen Säuberungen Stalins (geschätzt ca. 30 Mio Tote) und anderer Diktatoren sowie die weiteren deutschen Verbrechen im Osten an Nichtjuden sollen ebenfalls Beachtung finden. Die Liste von Greueln, deren gedacht werden sollte, kann noch beliebig forgesetzt werden.
Sag es: Jetzt, hier und heute :-)
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Halte ich für zu einseitig und lehne so was ab (und nicht, weil man sich als Deutscher mal wieder angegriffen fühlen könnte). Die einseitige Konzentration auf die Nazitaten (schon die Okkupation des Wortes „Holocaust“ auf ausschließlich diese Vorgänge finde ich nicht korrekt) macht ziemlich blind für alles andere. In der BRD ist beispielsweise ein qualitativer Vergleich der Nazitaten mit anderen ethnischen Verbrechen selbst eine strafbare kriminelle Handlung, weil dadurch „die Schwere der Tat herabgewürdigt wird“. Eine solche Konzentration auf das gewissermaßen gesetzlich vorgeschriebene Topverbrechen relativiert alles andere, und das ist nicht gerechtfertigt.
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