Gesellschaft, Medien · Mittwoch, 6.Februar 2008 13:02 · 14 Kommentare
Abmahnungen: Deutschland deine Rechtsprechung ist beispielhaft!
Nicht nur diejenigen, die von K. abgemahnt wurden (und das sollen ja nach Presseberichten inzwischen schon ein paar sein), werden sich die Augen gerieben haben. Viele kannten nämlich die Zusammenhänge nicht, die gestern in dieser Klarheit und Deutlichkeit zum ersten Male einer größeren Öffentlichkeit zugänglich wurden. Das Fernsehmagazin „Plusminus“ brachte unter dem Titel „Abzocke im Internet“ einen brisanten und gerade für Leute, die sich immer noch gedankenlos mit Bildern aus dem Internet „eindecken“, höchstinteressanten Beitrag, den vermutlich noch immer nicht genügend Leute angesehen haben. Deshalb ist es besonders erfreulich, dass man sich diesen Beitrag auf der Website des Magazins nochmals ansehen kann.
Sascha Kremer sieht das Geschäft von Knieper so: „Was er macht, ist Fotos zu gestalten, ins Internet zu stellen und alles dafür zu tun, dass diese Fotos verbreitet werden. Als Angler würde man sagen: Er legt Köder aus für die Internetnutzer und sammelt nachher die Fische ein, indem er ihnen Abmahnungen zuschickt.“ (Plusminus)
Was ich nicht begreifen kann, ist, dass trotz dieser logischen und auch sehr klaren Zusammenhänge, die spätestens in diesem Film sehr deutlich wurden, eine Bewertung dieser „Methode“ in juristischer Hinsicht offenbar unterbleibt. Die Autoren des Beitrages gehen scheinbar ebenfalls davon aus und warnen am Ende des Beitrages lediglich davor, Bilder aus dem Internet zu veröffentlichen. Jeder soll eben sein Brötchen selbst knipsen. Aber da fragt man sich natürlich gleich: Wovon soll Herr K. künftig leben?
Wie gesagt: Gott sei Dank ist ja sichergestellt, dass der Beitrag in einem kleinen ARD-Magazin keine so große Verbreitung gefunden haben wird. Außerdem gibt es ja zudem auch die deutsche Rechtsprechung. Die wird schon dafür sorgen, dass alles seinen geregelten Gang geht.
Update: Samstag, 9.Februar 2008 17:30
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14 Kommentare
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Ich bin ziemlich sicher, dass die Abmahnungs-Gesetzgebung genau zur Erreichung solch toller Einnahmeerwirtschaftungsmöglichkeiten geschaffen wurde.
Keine Frage! Was ich nur erwarten würde (insbesondere als selbst Betroffener) wäre, dass nun die Justiz endlich wach wird und die fragwürdigen Praktiken, um den es sich in meinen Augen handelt, einen Riegel vorschiebt. So habe ich den Eindruck, dass dieser gute Bericht (wie übrigens viele andere auch) zwar den Zuschauerinnen und Zuschauern die Augen öffnet, ansonsten jedoch keinerlei Wirkung haben wird. Das wäre sehr, sehr schade. Und das meine ich nicht wiederum als Betroffener, sondern als jemand der durch die Beibehaltung der Abmahnpraxis in Deutschland einen unvermeidlichen Schaden für die Weiterentwicklung bzw. die Nutzung des Internets insgesamt voraussieht.
[…] Schulte, früher bekannt als Apollon vom finger.zeig-Blog) und selbst schon zwei Mal abgemahnt, macht auf einen Bericht des ARD-Magazins plusminus aufmerksam, bei dem es um Abmahnungen geht. Angucken […]
Ich verfolge diese teilweise ungeheuerlichen Abmahn-Geschichten schon seit geraumer Zeit. Aus diesem Grund bin ich mittlerweile äußerst vorsichtig, beim «Ausleihen» von Photographien anderer, mögen sie noch so attraktiv daherkommen (um ein Haar hätte es uns auch mal erwischt, doch der Herr war offenbar einsichtig nach dem Hinweis, daß seine Seite wie eine offizielle aussehe und auch Impressum sowie Rechtehinweis arg versteckt seien).
Was mir jedoch einfach nicht einleuchten will: Weshalb kopieren immer wieder Menschen Bilder aus dem Netz, von denen sie nicht wissen, ob sie freigegeben (CC etc.) sind?! Zum einen dürfte die Abmahn-Praxis doch mittlerweile bekannt sein, und zum anderen stehen nun wirklich viele freigegebene Photographien zur Verfügung. Das ist manchmal etwas mühsam, sprich zeitraubend … Ob das der Grund für diesen naiven, nein, teilweise dummen Umgang mit dem Urheberrecht ist (das, richtig angewandt, durchaus seine Berechtigung hat)? Ich für meinen Teil stelle vereinzelt bewußt schlichte Gebrauchsbilder (hier bei Flickr) ein, um sie der Allgemeinheit zur Verfügung zu stellen; überhaupt ist die Auswahl groß, überdies existieren ja noch viele andere Anbieter. Doch die interessiert sich dafür so gut wie gar nicht. Sie nimmt lieber das nächstbeste Bild und zahlt dafür unter Umständen mehrere tausend Euro.
@Jean: Natürlich weiß ich das heute auch. Nur war ich, wie viele andere eben leider auch, unvorsichtig und habe die Gefahr völlig falsch eingeschätzt. Mal abgesehen davon, dass die Handlung an sich ja auch juristisch nicht in Ordnung war. Allerdings geht es auf der anderen Seite schon immer darum (in dieser Diskussion), dass die „Strafe“ als entschieden überzogen angesehen wird. Es gibt einen Ermessensspielraum, der bisher nie wirklich in Frage gestellt wurde. Damit sind überhöhten Forderungen Tür und Tor geöffnet. Darum wollte sich die Politik kümmern, tut sie aber offenbar nicht. Man sollte bei Frau Zypries einmal nachfragen, was aus ihrem Gesetzesvorhaben eigentlich geworden ist. Oder hat die Anwaltslobby einmal mehr erfolgreich gearbeitet?
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Projektaufruf: Lebensmittelfotos.com | dpetereit.de
[…] Jetzt muss endlich mal Schluss sein. Seit Jahren nervt uns dieser Fotograf, der eine Wurst beim Metzger kauft, sie auf den Küchentisch legt, ein Bild davon knipst und es dann im Internet so platziert, dass es auf den vorderen Plätzen in der Googlebildersuche landet. Verwendet es dann einer, weil er sich nichts dabei denkt oder aber der Auffassung ist, ein Würstchenbild könnte ja nichts mit Schöpfungshöhe zu tun haben, keilt der Fotograf per Anwalt aus. Selbst Plusminus vermutete sacht, dass das Geschäftskonzept des Fotografen just auf diese Verfahrensweise zugeschnitten sein könnte.Nun kann man lange lamentieren, wie fies das doch ist. Der richtige Weg indes kann nur sein, ein vollkommen legales und echt kostenfreies Gegenprojekt zu starten. Der Bedarf nach Lebensmittelfotos ist ja ganz offenbar da. […]
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Hier ist es, deutsches Rechtssystem: Dein Armutszeugnis | Endl.de | Zielpublikum Weblog
[…] Verzweiflung – oder besser: Fassungslosigkeit – macht sich breit: Was ich nicht begreifen kann, ist, dass trotz dieser logischen und auch sehr klaren Zusammenhänge, die spätestens in diesem Film sehr deutlich wurden, eine Bewertung dieser “Methode” in juristischer Hinsicht offenbar unterbleibt. Zitat: schulte-web.com […]
@ Schulte: Nach meinen letzten Informationen (etwa zwei Wochen alt) hat Frau Zypries ihre Mitarbeiter beauftragt, diese zu beauftragen, dieses Gesetz in Gang zu bringen, nach dem solche (zumindest) anwaltliche Geldschindereien nicht mehr gesetzeskonform sein soll(t)en. Wer weiß, vielleicht muß die oberste deutsche Juristin zunächst einmal ihre Anwälte konsultieren …
@ dpetereit: Ja, ich hatte es indirekt ja angesprochen: Gebrauchs-Photographie. Aber damit kann man kein Geld verdienen, weder als Knipser noch als Anwalt noch als Bild-Anbieter. Adobe (beispielsweise), so wurde uns heute mitgeteilt, hat sein kostenfreies Angebot eingestellt. Also: selber suchen im Netz nach lizenzfreien Würstchen oder Brötchen. Oder aber mal jeweils ein Praktikum beim Bäcker oder Fleischer oder Pâtissier oder in der Legebatterie oder beim Käser auf der Alm etc.?
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Silkester erzählt » Blog Archive » [selbstzensur] k[selbstzensur]s ./. rebell nerdcore
[…] Köder für die Fische […]
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Essen und Fotografieren » dyingeyes weblog
[…] wird wohl Zeit, etwas häufiger das, was man isst, vorher zu fotografieren und die Bilder der […]
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Projektaufruf: Lebensmittelfotos.com | Lebensmittelfotos.com
[…] muss endlich mal Schluss sein. Seit Jahren nervt uns dieser Fotograf, der eine Wurst beim Metzger kauft, sie auf den […]
Argh. Ich würde mich freuen, wenn Google Quality Rater reagieren und solche Seiten aus dem Index werfen würden. Ts.
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Amys Welt » Blog Archive » Die Rache der Blogger: Freie (Kochbuch-)Bilder
[…] Schulte-Web: Abmahnungen: Deutschland deine Rechtsprechung ist beispielhaft! […]
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Ich fand den Hinweis, seine Semmeln lieber selber zu photographieren, ganz sinnvoll. Denn der Nachweis, daß Knieper es wirklich darauf anlegt, Leute so reinzulegen, wurde (leider) nicht erbracht. Insofern war der Warnhinweis sogar wichtig.
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