Wirtschaft · Montag, 4.Februar 2008 21:18 · 0 Kommentare

Stress kostet Europa geschätzte 20 Mrd. Euro


Man kennt das seit Jahrzehnten. Wir sind ja sooo gestresst. Wer nicht gestresst ist, der ist wohl auch nicht wichtig. Die Schätzung, dass der Faktor Stress die Unternehmen rund 20 Mrd. Euro kostet, wurde im Jahre 2002 durchgeführt. Damals gab es noch 15 Mitgliedsstaaten.

Nach einer neuen Studie soll jeder fünfte Arbeitnehmer unter Stress leiden. So wichtige Leute gibt es also!? Wenn es doch so einfach wäre. Viele Menschen werden durch die Anforderungen, die die heutige Arbeitswelt an sie stellt, krank. Möglicherweise nur, weil einige Faktoren entfallen sind, die vielleicht früher gar nicht als so besonders wichtig empfunden wurden – sie waren irgendwie selbstverständlich. Sie waren ganz einfach vorhanden, während sie im Zeitalter des Turbokapitalismus wohl abhanden gekommen sind.

Ich vermute, dass der Mensch als Individuum in dem Maße auch weiter an Wert verliert, in dem die Globalisierung Platz greift. Für viele Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer wurde mehr und mehr deutlich, wie wenig ein menschliches Einzelschicksal gilt, je größer ein Unternehmen ist (oder wird). Mir kommt bei diesem Gedanken immer das Bild in den Kopf, in dem jemand von einem hohen Turm auf die Menschen unten auf dem Platz schaut und diese ziemlich gleichgültig mit Ameisen vergleicht. Die allgemein hohe Distanz zwischen dem Topmanagement und den einzelnen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern bewirkt auch eine gewisse „Entwertung“ der eigenen Arbeit und vielleicht sogar der Person. Je ausschließlicher es ums Business geht, selbst wenn es nur vordergründig so wirken sollte, gerät der Mensch mit seinen eigenen Ansprüchen ins Hintertreffen. Er degeneriert im schlechten Sinne des Wortes zum Humankapital, mindestens aber wird er sich so fühlen. Und das ist, glaube ich, Stress pur.

Welche Anzahl von schlimmen individuellen und bestimmt schmerzvollen Erfahrungen verbergen sich wohl dahinter, wenn die EU-Studie folgende Stressfaktoren als häufigste Ursachen attestiert hat: unsichere Arbeitsverhältnisse, hoher Termindruck, lange Arbeitszeiten, Mobbing sowie die Unvereinbarkeit von Beruf und Familie. In Summe sollen 60 % aller Fehltage im EU-Raum auf die Folgen von Stress zurückzuführen sein.

Quelle: ZDF



Artikelservice


0 Bewertung(en)
Loading ... Loading ...

Bookmarken bei: del.icio.us | Mister Wong | yigg.de | co.mments.com | Google
Gelesen: 284 · heute: 3 · zuletzt: 24. July 2008 | Drucken | Trackback-Link | Rivva
Diesen Beitrag versenden Diesen Beitrag versenden

Ähnliche Artikel


Sag es: Jetzt, hier und heute :-)

Quicktags:

Politik - Sonntag, 20.Juli 2008 16:42 - 4 Kommentare

Bereit zum Angriff

mehr in Politik


Gesellschaft - Donnerstag, 24.Juli 2008 19:05 - 3 Kommentare

Zeit für den Wechsel

mehr in Gesellschaft


Unsortiert - Sonntag, 6.Juli 2008 19:34 - 0 Kommentare

Gartentor im Sommer

mehr in Unsortiert