Gesellschaft · Samstag, 26.Januar 2008 14:42 · 3 Kommentare

Die Meinungsfreiheit und der Islam


Nairobi, New York, Washington, Madrid, London, Algier – diese Städte stehen für furchtbare Gewalt, die von islamischen Terroristen ausging und weiter ausgehen wird. Und es gibt Leute, die es an ihre Aufgabe ansehen, den Menschen die Augen zu öffnen. Über den Islam. Wir wissen wirklich nicht viel über diese Religion. Das Wenige aber, das wir vor allem seit 2001 zur Kenntnis genommen haben, macht uns Sorgen, manchmal auch Angst. Wir lassen uns vor allem von Bildern beeindrucken. Sehen wir Muslime, die wild gestikulierend und mit hasserfüllten Gesichtern ihre Parolen in die Welt hinausschreien, wenden wir uns lieber anderen Dingen zu. Vielleicht dem danach folgenden „Tatort“ oder, wenn die Gattin es nicht anders zulässt, dem hoffentlich neuen „Pilcher“ im ZDF.

Wir mögen diese Radikalität und den Fanatismus nicht, den wir mit diesen Bildern präsentiert bekommen. Uns fehlt jedes Verständnis und lehnen das, was wir als ursächlich dafür halten, ganz folgerichtig strikt ab. So ist das eigentlich meistens, wenn Menschen etwas nicht verstehen können. Aus Nichtverstehen wird oft Ablehnung. Schade nur, dass sich die Realitäten auf dieser Welt von dieser Haltung so überhaupt nicht beeindrucken lassen. Gott sei Dank gibt es Menschen wie beispielsweise Stefan Herre, die es sich zur Lebensaufgabe gemacht haben, uns aufzuklären. Seine Helden sind u.a. die ebenfalls selbsternannten Aufklärer Theo van Gogh oder Ayaan Hirsi Ali.

Heute lese ich von Protesten gegen einen neuen Film über den Islam. Der Film ist noch nicht einmal veröffentlicht und schon hagelt es Proteste. Auch diese Dokumentation wurde, wie im Falle von Theo van Gogh von einem holländischen Filmemacher produziert. Geert Wilders wird seit seinen Ansagen zum Islam vor einigen Jahren ständig von der Polizei beschützt. Dass der gebürtige Venloer wie Theo van Gogh fremden- und islamfeindliche Politik betreibt und so Meinung erzeugt, macht ihn generell zu einem potenziellen Opfer radikaler Muslime.

Vielleicht wird der Film Wilders nicht gesendet. Dem us-amerikanische Fernsehsender Vox wurde schon aus dem Iran gedroht für den Fall, dass der Film ausgestrahlt würde. Dabei will Wilders doch nur zeigen, dass der «Islam ein Inspirationsbrunnen für Intoleranz, Mord und Terror ist». Da darf er sich der Zustimmung der schweigenden Mehrheit bestimmt sicher sein. Das ist jedenfalls mein Eindruck. Denn scheinbar sind mehr und mehr Menschen überzeugt davon, dass der Islam etwas ganz ganz böses ist. Wilders will den Film zeigen, notfalls auch im Internet verbreiten.

Jeder hört, liest und sieht, dass die Protagonisten terroristischer Überfälle dem Islam angehören. Statistiken darüber habe ich nicht, aber vermutlich ist das in diesem Fall auch nicht notwendig. Zu lebendig sind unsere Erinnerungen an die furchtbaren Bilder der Orte, die ich oben beispielhaft aufgeführt habe.

In Köln wurde ein junger Marokkaner von einem Deutschen erstochen. Der Marokkaner wollte ihn angeblich ausrauben. Das Opfer stach angeblich in Notwehr zu und wurde deshalb auf freiem Fuß gelassen. Das brachte die in Kalk lebenden vielen Marokkaner auf die Barrikaden. In den letzten Tagen folgten laute Proteste. Wieder so ein Foto, das ich der Tageszeitung entnahm. Mit ihren Käppis und alle mit weit aufgerissenen Mündern war sie präsent, die muslimische Bedrohung. Bullshit! Proteste sind etwas, das unserem demokratischen Verständnis nicht zuwiderläuft. Auch nicht, wenn es Ausländer oder Muslime sind und sie sich anders gebärden, als wir es erwarten und vielleicht bevorzugen würden.

Wir können unsere Gesellschaft nicht entwickeln, wenn wir denen folgen, die, aus welchen Gründen auch immer, auf Verallgemeinerungen und Trennendes setzen. Damit meine ich natürlich nicht, sich nicht kritisch und deutlich mit den Dingen auseinander zu setzen, die gefährlich sind und die unseren demokratischen Prinzipien zuwider laufen. Im Gegenteil. Demokratie lebt doch gerade durch solche Auseinandersetzungen. Das alles bedeutet aber nicht, dass wir uns nur auf das Trennende fokussieren und das Verbindende einfach beiseite lassen. Ich bin überzeugt davon, dass wir sonst gegen unsere eigenen Interessen arbeiten würden.

Was wäre überhaupt gewonnen, würden alle nichtislamischen Männer und Frauen in Deutschland die Dinge gleich bewerten. Dort die guten Christen, hier die bösen Muslime. Und? Wie geht es dann weiter? Weisen wir alle aus und hätten wir danach alle Probleme gelöst? Ich frage mich wirklich immer, was die Leute eigentlich von uns wollen, die uns so gern „aufklären“ wollen. Wir wissen, dass es Gewalt im Islam gibt. Wir wissen, dass es eine konkrete terroristische Bedrohung durch islamische Fundamentalisten gibt. Alles richtig. Das sind Fragen. Die kennen wir alle. Die Antworten darauf können wir aber nur gemeinsam geben. Wir haben ohnehin durch die wirtschaftlichen Probleme, die uns weiterhin beschäftigen werden, einiges vor uns. Soviel ist wohl sicher. Das belastet unsere Gesellschaft sowieso sehr stark. Ich denke an die Probleme für junge Leute mit geringer Qualifikation und Bildung im Berufsleben Fuß zu fassen oder an die demografischen Veränderungen, die uns mehr und mehr belasten. Solche Aufgaben können von einer einigen Gesellschaft bestimmt besser gelöst werden. Wir brauchen keine Leute, die sich als gesellschaftliche Spalter profilieren, sondern wir brauchen Brückenbauer. Keine Schönredner, die politisch korrekt alle Schwierigkeiten ausblenden oder zu umschiffen versuchen, sondern konstruktive und glaubwürdige Frauen und Männer.



Update: Sonntag, 27.Januar 2008 2:17

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3 Kommentare

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R.schuck
Jan 28, 2008 14:11

1

Na da hat sich doch endlich mal einer gewehrt, da ist der Marokkaner wohl an den falschen geraten.
Na ja ich würde mal sagen das wohl Strassenräuberpech.

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mach-Proteste » sozial - Die Proteste in Frankreich halten an
Mrz 19, 2008 5:03

2

[…] Der Staat als Garant bürgerlicher Freiheiten. Aber die Freiheiten des Einen sollen nicht zum (schwerwiegenden) Nachteil des anderen werden, darum ja […]

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nemo
Jul 3, 2008 15:38

3

ja, die brueckenbauer, die brueckenbauer bauen bruecken, statt nachkommen zu erzeugen. die kuemmert es ja auch nicht was nach ihnen kommt. das geld kann ja fuer einen sorgen:)

dank des humanismus, der tatsache das menschen immer älter werden können, werden genau diese brueckenbauer dies vielleicht mal am eigenen leib erfahren koennen.

dann wird die polizei, die bundeswehr und jeder einzelne job von denen ausgefuehrt, welche die demokratie mit füssen treten.

und wer weiss vielleicht wird kann man sich dann nicht mehr so gut darauf verlassen was in der verfassung und im gesetzbuch steht.

jaja, warten bis es knallt. diese brueckenbauer sind wahrlich intelligent. baut bruecken, verschickt thermonukleare waffen an all die, die dafür zahlen. geld regiert die welt, die brueckenbauer verbinden schon alles.

sie verbinden uns mit dem fanatismus, der folter, dem mittelalter. genau dahin, wo wir alle nicht hinwollten. es rechnet sich. wozu investieren in bildung und neue energiemoeglichkeiten wenn wir doch öl von unseren angeblichen freunden kaufen koennen:) der handel blueht. naja, die zukunft wird euch danken, ihr brueckenbauer.

hoch sollt ihr leben. HOCH

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