Unsortiert · Sonntag, 23.Dezember 2007 11:45 · 0 Kommentare

Steht uns eine Versorgungskrise ins Haus?


Nee – Weihnachten. Eigentlich ja nichts neues. Jedes Jahr der gleiche Mist. Die Leute (inkl. wir) führen sich auf, als stünde die unmittelbare Lebensmittelnot nach den Feiertagen bevor. Warum dies offenbar so sein muss, hat wohl noch niemand untersucht.

Gestern war ich mit meiner Frau einkaufen. Es war so gegen 13:30 Uhr. Pickepacke voll der Supermarkt. Alle Kassen offen und Schlangen. Schlangen von beträchtlicher Länge (50 m + x) an jeder Kasse.

Meine Frau nahm ihren Einkaufszettel ins Visier, und wir kämpften uns durch die Gänge. Blöd war es, wenn wir gegen die Laufrichtung der anderen zurückkehren mussten, weil doch noch das Mehl fehlte. Daran waren wir nun leider schon vorbei gerast. Die Umkehr mit dem großen Einkaufswagen hatte was von Gegen-den-Strom-schwimmen.

Mehr als die Anzahl der Kunden und ihr Einkaufsverhalten beschäftigte mich dieses Mal der Stress, dem das Verkaufspersonal in solchen Ausnahmezeiten ausgesetzt ist. Man weiß ja, dass das Kassenpersonal beispielsweise alle paar Stunden ausgewechselt wird. In solchen Zeiten kann man solche Regelungen am besten begreifen. Nur, wie machen die das denn mit der Kassenabstimmung bei jedem Wechsel?

Meine Frau erklärte es mir: Die Kassierer loggen sich aus, nehmen den Kasseneinsatz mit dem Geld heraus und machen Pause. Der Kollege kommt, setzt seinen Kasseneinsatz ein und loggt sich ein. Das ist ja einfach.

Alles andere als einfach wird es sein, die Konzentration zu behalten und dazu immer freundlich zu bleiben. Ganz schön viel Hektik an diesem Tag. Wenn da mal was nicht wie am Schnürchen klappt, gibt’s Stau. Ein fehlender EAN-Code, ein Obst- oder Gemüsebeutel ohne das obligatorische eigenhändig aufgepappte Preisetikett und schon ist’s passiert. "Nerve behale" heißt es da. Und dann immer die gleiche Frage: "Haben Sie eine Payback Karte"? Wieviel Zeit das kostet! Könnte man sich nicht dazu etwas anderes einfallen lassen? Z.B. ein Schild: "Bitte halten Sie Ihre Payback-Karte bereit. Wir fragen nicht nach!" Für den Zeitgewinn könnte man einen Nachlass gewähren. Gut, das ist Quatsch. Da brauchte man ja bestimmt auch wieder irgendeine Karte, um das ordentlich "abzuwickeln".

Wie war das eigentlich früher? Als es diese großen Supermärkte noch nicht gab? War der Stress da geringer, weil man in kleinere Geschäfte (um die Ecke) ging -womöglich zu Fuß- und war das Warenangebot nicht allzu eingeschränkt? Noch in den 70ern hatten wir in unserer Straße direkt gegenüber einen kleinen Rewe-Laden und daneben einen Fleischer. Ein paar Straßen weiter war’s nicht anders. Man konnte, wenn man was vergessen hatte, noch kurz mal rüberlaufen und die Teile "nachkaufen". Wie auch immer man nun zu solchen nostalgischen Anwandlungen stehen mag: Ich finde, dass insbesondere die Weihnachtszeit harmonischer, ruhiger bzw. eben nicht so furchtbar hektisch ablief, wie das heute der Fall ist. Vielleicht wird so mancher Streit innerhalb der Familie (man hört ja häufiger davon) dadurch ausgelöst, dass die Menschen an den Feiertagen ihren Einkaufsstress auf diese Art verarbeiten. Ganz schön blöd. Denn Weihnachten ist ja schließlich auch das Fest der Liebe.



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