Ist so etwas Zufall?
Autor Horst Schulte · 21-12-2007 · Tags: Arbeitsplätze, Deutschland, Diesel, Entlassungen, Geld, Gesellschaft, Gesetze, Gewinne, Insolvenz, Kapitalismus, Medien, Politik, Preise, SPD, Wirtschaft
Wir haben mitbekommen, wie Unternehmer auf die Debatte um Mindestlöhne reagierten. Nachdem ihre Einführung über den Umweg des Entsendegesetzes realisiert wurde, hat Springer prompt reagiert und die Subventionierung der PIN-Group flott gekappt. Getreu mit Motto: Gewinne privatisieren, Kosten (insbesondere Personalkosten) sozialisieren. 9000 Stellen sind bedroht. Heute mussten die ersten 5 PIN-Gesellschaften, von denen es Dutzende gibt, Insolvenz anmelden, weil die Sozialabgaben für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht mehr gezahlt werden können. Effiziente Methode, die Springer anwendet. Einfach mal den Geldhahn zudrehen und aus ist’s.
Wir hören, dass BMW angeblich 8000 Stellen streichen will. Die Umsatzrendite ist erstmals seit langer Zeit wieder unter 6% gerutscht. Da muss gegengesteuert werden. Einbussen beim Gewinn sind für die Quandts dieser Welt nicht zu verschmerzen. Außerdem hören wir, dass der Stellenabbau (der -wie immer- sozialverträglich geregelt werden soll) vor allem im Bereich der Zeitarbeiter stattfinden soll. Aha. Zeitarbeit. Ist das nicht die Gruppe von Arbeitnehmern, die die SPD als nächste in das Entsendegesetz übernehmen will. Ich mag nicht daran glauben, dass diese Fokussierung zufällig ist bzw. diese ohne Hintergedanken öffentlich gemacht wird.
Besonders "schön" finde ich, wie sich die Presse an der Verballhornung der Öffentlichkeit beteiligt und kein Wort über die auf der Hand liegenden Zusammenhänge herzustellen bereit ist. Gestern wurde im Fernsehen berichtet, dass im nächsten Jahr der Aufschwung auch dort ankäme, wo bisher davon nichts zu spüren war. Lächerlich. Wir brauchen uns nur die Preise anzusehen und nicht nur die von Benzin oder Diesel. Vermutlich haben die betreffenden Medien diese Nachricht auf aus den schweizerischen Medien. Bei uns geht’s anders zu:
Die Einführung branchenspezifischer Mindestlöhne und die Verlängerung der Bezugsdauer von Arbeitslosengeld für ältere Arbeitnehmer seien "der falsche Weg". Auch die Festlegung eines Mindeststundenlohns in Höhe von nur fünf Euro brächte reichlich zwei Millionen Arbeitsplätze in Gefahr, darunter 750.000 in Ostdeutschland, mahnen die Forscher. Quelle: Finanzen.net
Natürlich geht die Debatte um Mindestlöhne weiter und die Geschütze sind, wie man sieht, längst in Stellung gebracht. Wie immer jubelt die Börse und die Gesellschaft steht ohnmächtig am Rande und nimmt höchstens aufgrund der bevorstehenden Weihnachten mit etwas größerem Unbehagen davon Kenntnis, wo in diesem Land der Hammer hängt und wer ihn uns aufs Haupt sausen lässt. Die Macht der Kapitalisten nimmt immer mehr zu, und wir stehen hilflos daneben, schütteln den Kopf und fragen uns, was nur aus unseren Gewerkschaften (siehe Schells GDL) geworden ist.














Leider muss man bei fast allen, die sich heute öffentlich aufregen, schwere Alzheimersymptome konstatieren.
Als vor ein paar Jahren die Hartz-IV-Regelungen als „beste Arbeitsmarktreform aller Zeiten“, die heute für das existierende Kombilohnmodell und das Minstestlohnproblem veranrwortlich sind, von den Politikern gefeiert wurden, haben genau jene Schreiberlinge uns im Detail vorgerechnet, was passieren wird, nämlich das, was wir heute sehen: viele Arbeitslose kommen nicht in einen Job, sondern in ein modernes Sklavenverhältnis mit täglicher Demütigung durch Arbeitgeber und Staat; eine Beschäftigung mit einem zum Leben reichenden Gehalt ist nicht zu erreichen.
Nun, da genau das eingetreten ist, was vorhergesagt wurde, will keiner mehr was davon wissen. Die Politik in ihrer unendlichen Blödheit und Ignoranz darf weiterhin mit nicht vorhandenen Erfolgen prahlen, und draufgeschlagen wird auf die, die letztendlich auch nur den politischen Vorgaben folgen (wenn sie sie möglicherweise auch mitverursacht haben). Die dummen sind ohnehin wieder die Arbeitnehmer. Die einen sitzen nach wie vor auf der Abschussliste, den anderen ist im Rahmen der „Reformen“ wirkungvoll das Geld aus der Tasche operiert worde.
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