Autor Horst Schulte · 04-12-2007 · Tags: Kapitalismus, Manager, Managergehälter, Wirtschaft
Wen wundert es, dass Herr Braun (DIHK) sich zum CDU – Bundesparteitag darüber beklagt, dass Frau Merkel an die Adresse der Manager kritische Worte gerichtet hat. Noch weniger wundert es uns, dass andere Lobbyisten sich zu diesem Sachverhalt kritisch äußern. So gesehen brauchte ich darüber nicht zu bloggen. Business as usual. Nur ist es eben doch nicht ganz so. Viele mögen es dem Anlass zuschreiben, dass Merkel Köhlers Vorlage aufgegriffen hat und nun versucht im Quasi-Wahlkampf damit zu punkten. Ich sehe das nicht so.
Für die Wirtschaft ist einmal mehr ein Dammbruch zu beklagen. Die Einführung der Mindestlöhne, so lesen und hören wir, wird dazu führen, dass tausende Menschen ihre Jobs verlieren. Verstärkt wird diese „frohe Botschaft“ durch die Tatsache, dass Teile der Medien uns wohl nicht ganz objektiv an die Bewertung dieser „neuen“ Tatsache heranführen. Sie sind selbst involviert und fürchten um ihre wirtschaftlichen Perspektiven. Nicht nur Springer hat Aktien in dieser Sache. Kapiert haben wir, dass ein Wettbewerb mit der Post nur unter der Prämisse möglich gewesen wäre, dass die Löhne der in diesem Sektor arbeitenden Menschen unterhalb der nun gelten Mindestlöhne (und zwar deutlich unterhalb) gelegen hätten. So kreativ sind die Unternehmen. Sie wahren ihre Chance im Wettbewerb, in dem sie die Lohnkosten minimieren. Dafür schaufeln sich die Damen und Herren in den betroffenen Konzernen die eigenen Taschen mit dem Geld voll, dem sie aufgrund dieser ausgemachten Schweinerei anhand der bekannten Mechanismen gar nicht entgehen können.
Dann gibt es die anderen (ach so vernünftigen) Leute, die uns erzählen, dass Arbeitsplatzverluste die Folge der Einführung von Mindestlöhnen sind. Ein hoher Preis für „soziale Gerechtigkeit“ meinen die. Richtig ist, dass Arbeitsplätze verloren gehen werden, wenn die Kosten und schlussendlich die Produkt- oder Leistungspreise nicht mehr wettbewerbsfähig sind. Das kombiniert natürlich überhaupt nicht mit dem Spruch: „Alles ist sozial, was Arbeit schafft“. In Wirklichkeit macht es klar, wie der Zielkonflikt eigentlich aussieht. Damit wären wir doch wieder beim Thema Gerechtigkeit. Wer einer Arbeit nachgeht, der soll von dieser Arbeit leben können. Wenn Unternehmen Jobs zur Verfügung stellen, die Arbeit jedoch nicht adäquat bezahlen können, weil sie in ihrem Zielmarkt im anderen Falle keine Schnitte bekommen, sollen sie es lassen. Jetzt werden einige denken, dass so nur jemand reden kann, der noch Arbeit hat. Mag schon sein. Nur, wo ist die Grenze? Wer würde schon zu jedem Lohn arbeiten, der ihm angeboten wird? Da liegt viel im Argen und ganz so einfach sollten es sich die Jünger der freien Marktwirtschaft nicht machen.
Dass dies auch zu Lasten des Wettbewerbs geht und damit die Verbraucherpreise höher als möglich sind, ist schon logisch. Nur bin ich persönlich und bestimmt auch ein paar andere Leute mit mir der Meinung, dass ich lieber weiter für einen Brief 0,55 Euro zahle (obwohl ich ohnehin fast alles per E-Mail mache :-)) als vielleicht 0,30 Euro zu dem viel höheren Preis an anderer Stelle, der ja damit ja nun einmal verbunden wäre.
Um Preisvorteile zu erlangen könnte man auch Managergehälter nicht erhöhen oder senken. Man könnte Strukturanpassungen vornehmen und die Anzahl der Großkopferten in Unternehmen kostenwirksam senken. Aber bekanntlich kommen die immer erst zuletzt dran. Allerdings gibt es sogar dann einen Unterschied zum normalen Arbeiter. Die Abfindung ist so hoch, dass ein Menschen mit „normalem“ Lebensstandard“ davon ziemlich lange gut leben könnte.
Vielleicht wollte Merkel auf diesen Misstand auch einmal hinweisen. Notwendig war es allemal!













