Autor Horst Schulte · 01-12-2007 · Tags: Geld, Gesellschaft, Kapitalismus, Köhler, Maßlosigkeit, Manager, Wirtschaft
Sagt man das so? Egal. Köhler appellierte dieser Woche an die Manager und forderte, dass sie ihrer Vorbildfunktion gerecht werden. Vorbildfunktion? Kann jemand, weil er ein paar hunderttausend Euro oder auch ein paar Millionen Euro im Jahr mehr als ich verdient, überhaupt ein Vorbild sein? Eignet er oder sie sich nicht viel besser als Neid- oder gar als Haßobjekt?
Ich glaube ja, dass wir den „sozialen Frieden“, der da gern beschworen wird, längst verloren haben. Ich muss nur auf die Meinungen und Stimmungen achten, die mir in Gesprächen oder Zeitungsartikeln vermittelt werden. Dann weiß ich Bescheid. Die Unzufriedenheit ist so groß, dass man sich wirklich Sorgen machen sollte. Noch trauen wir uns nicht auf die Straßen. Aber wenn unsere Parteien so weitermachen, wird das vielleicht früher kommen, als wir es im Moment noch für möglich halten. Einmal mehr sprach Köhler davon, dass man die Arbeitnehmer an Ertrag und Kapital der Unternehmen beteiligen sollte. Richtigerweise vergaß er aber nicht, darauf hinzuweisen, dass es aufgrund des Vertrauensverlustes in die Finanzmärkte schwierig sei, breite Teile der Bevölkerung an den Kapitalmarkt heranzuführen.
Persönlich halte ich von diesem Vorhaben auch deshalb wenig, weil ich als Arbeitnehmer, der sich ja schließlich dafür entschieden hat, seinen Lebensunterhalt quasi in einem Beschäftigungsverhältnis zu verdienen, nicht am Ende auch noch finanzielle Risiken übernehmen möchte, deren Dimension ich bestenfalls teilweise einschätzen oder übersehen kann. Das sollen mal ruhig die Leute tun, die auch etwas davon verstehen.
Im Übrigen geht es den Befürwortern für einen solchen „Systemwechsel“ ja im Grunde auch gar nicht darum, dass die Mitarbeiter partizipieren. Auch dabei geht es letztlich darum, Kosten einzusparen und Risiken auf die Seite der Arbeitnehmer umzuverteilen. Eines ist nämlich klar. Die Fixanteile der Einkommen werden (kurz oder lang) mit der Einführung solcher ertragsabhängigen Lösungen reduziert. Gewerkschafter brauchen sich überhaupt nicht einzubilden, dass dieser Einkommensteil etwa zusätzlich vereinbart werden könnte. Im Allgemeinen haben es die Kapitalisten ja mit dem Begriff „Umverteilung“ nicht so. Aber in diesem Fall werden sie bestimmt ein Auge zudrücken. Ich kann nur davor warnen, auf diesen Zug aufzuspringen und zusätzlich zum natürlich auch weiterhin bestehenden Arbeitsplatzrisiko auch noch ein „unternehmerisches“ Risiko einzugehen.















… und auch keine Chancen wahrnehmen möchte. Das muss halt jeder selber wissen – noch leben wir in einem freien Land.
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