Ungeordnete Gedanken zum Mindestlohn
Autor Horst Schulte · 16-11-2007 · Tags: ALG I, Deutschland, Gesellschaft, Kapitalismus, Mindestlöhne, Preise, Staat
In welchen Sektoren der Wirtschaft würde der Mindestlohn, sofern es ihn in Deutschland überhaupt einmal geben sollte, am stärksten wirken? Vermutlich doch im Dienstleistungssektor. Jedenfalls sind, wie ich es immer wieder höre und lese, gerade dort die Löhne besonders niedrig. Die Jobs im Dienstleistungssektor können (vermutlich) nicht so einfach ins Ausland verlagert werden. Das wäre schon einmal ein Punkt gegen diejenigen, die gerne mit dem Argument kommen, dass die Einführung von Mindestlöhnen zu weiteren Arbeitsplatzverlagerungen in Ausland führen würde.
Würden tatsächlich flächendeckend Mindestlöhne eingeführt, könnten die Unternehmen die höheren Kosten in Form höherer Abgabepreise an den Verbraucher weiterreichen. Damit könnten diese Anbieter gegenüber einer internationalen Konkurrenz ins Hintertreffen geraten und die Folge wären Entlassungen, um durch Kostenreduzierung die Wettbewerbsfähigkeit wiederzuerlangen.
Sollte es überhaupt die Aufgabe des Staates sein, für einen Mindestlohn zu sorgen, und haben nicht nach heutiger Sicht auch hiesige Gewerkschaften versagt, weil sie nicht in der Lage waren, bessere Tarifabschlüsse für ihre Mitglieder zu erzielen? Sollte die Tarifhoheit nicht auf jeden Fall gewahrt bleiben? Tritt nicht der Staat durch die Festlegung eines Mindestlohnes an die Stelle der Tarifparteien?
Darf eine so reiche Gesellschaft wie die Deutsche es erlauben und kann sie es überhaupt auf Dauer auch unter ethischen Gesichtspunkten unbeschädigt verkraften, dass sehr viele Menschen trotz regelmäßiger Arbeit (bis hin zur Vollzeitstelle) Geld vom Sozialamt brauchen (ALG II), um mit ihren Familien über die Runden zu kommen?
Was ist eigentlich nach diesen Erfahrungen von Professor Sinns (IFO-Institut) Vorschlägen zu Kombilohnmodellen zu halten? Auch dann gäbe es eine Vielzahl von Menschen bei uns, die mindestens zum Teil, vielleicht aber dauerhaft, von staatlicher Alimentierung „leben“ müssten. Das könnte für die betreffenden Menschen aber auch für die Gesellschaft, die sich mit solchen Modellen „einrichtet“, verheerende Wirkungen haben.
Hat der ja erst in den letzten Jahren aufgekommene Gedanke eines Mindestlohnes überhaupt etwas mit den vielgescholtenen Verteilungsritualen unseres Sozialstaates zu tun oder ist dieses Thema nicht viel eher eine direkte Folge der radikalen Vereinnahmung unserer Gesellschaft durch den Kapitalismus?
Sollten wir nicht in der Lage sein, den für unsere Gesellschaft wirklich existenziellen Problemen durch einen gesellschaftlichen Konsens entgegenzuwirken? Niemand wird schließlich dafür sein, dass Menschen, die einer regelmäßigen Arbeit nachgehen, nicht ordentlich bezahlt werden. Natürlich beginnt der Prozess bereits an der Stelle, an der die Marke festgesetzt wird, die definiert, was ordentliche Bezahlung eigentlich ist. Und schon sind wir wieder bei der Grundsatzdebatte über den Mindestlohn.
7,4 Millionen Menschen beziehen Hartz IV – Leistungen. Diese Zahl stiegt. Sie steigt deshalb, weil es immer mehr Menschen gibt, die zwar einer Arbeit nachgehen, die aber dennoch aufgrund der Niedriglöhne, die ihnen hierfür gezahlt werden, zusätzlich ALG II – Leistungen in Anspruch nehmen. Und man darf wohl davon ausgehen, dass das niemand wirklich gern gut. Gerade dieser Punkt scheint vielen Menschen entweder nicht klar zu sein oder sie verschließen sich aus irgendwelchen Gründen diesen Details.














In irgendeinem Fernsehmagazin hat ein Handwerks-Unternehmer mal seine Lohnstruktur dargestellt. Fliesenleger: brutto 16,50 Euro/h, netto ca. 9,50 Euro/h, Arbeitgebergesamtkosten ca. 26,50 Euro/h. Das sind nur die Lohnkosten, die durch alle möglichen staatlich befugten Diebe eingetrieben werden. Da sind noch keine Arbeitsplatzkosten usw. drin.
Packt man alles zusammen, einschließlich der Märchensteuer, muss heute ein Handwerker ca. 7-8 Stunden arbeiten, um sich eine Stunde eines Kollegen leisten zu können.
Fazit: Arbeit ist nicht bezahlbar, und Arbeit macht sich nicht bezahlt (für den Normalverdiener). Grund ist allerdings nicht der Kapitalismus, sondern die ungeheure Staatsquote. Ein Arbeitnehmer verdient ca. Mitte August/Anfang September den ersten Euro für sich, der Rest geht an den Staat.
Ein Mindestlohn bringt fast nichts. Für jeden Euro, den der Arbeitnehmer mehr verdient, kassiert der Staat einen weiteren Euro beim Unternehmer ab.
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