Fernsehen, Gesellschaft · Sonntag, 11.November 2007 15:46 · 0 Kommentare

Contergan: Wo ist das Leid hin, das damals erzeugt wurde?


Neben den Gefühlen der selbst Betroffenen spiegelt das Interview in „Readers Edition“ auch das wider, was uns Zuschauer während und nach dem ARD-Spielfilm beschäftigt haben wird. Die Hoffnung, dass mit der Ausstrahlung des Filmes der öffentliche Druck auf die Firma Grünenthal noch einmal zunehmen könnte, teile ich nicht. Es wird eine „Nachbearbeitung“ des Themas geben und das war’s. Es ist (leider) wie immer. Neues Thema und weiter. Vielleicht Hoffentlich irre ich mich. Allein die Tatsache, dass der Chef von Grünenthal sich nun mit Contergan-Opfern treffen will, lässt hoffen.

Im Nachhinein kann ich von Glasows Kritik am Ende des Filmes nicht teilen. Ein verlogenes Happy End konnte ich darin nicht entdecken. Dass die Zahlung der „Entschädigungen“ vor dem Hintergrund heutiger Entschädigungszahlungen lächerlich gering und dem Leid und den Bedürfnissen der Betroffenen nicht angemessen war, war zum damaligen Zeitpunkt vielleicht nicht so eindeutig.

RE: Ist da Haß oder Wut oder Trauer?
Ich habe ein bisschen geforscht, wo das Leid hingegangen ist, habe zum Beispiel christliche Pfarrer gefragt, aber auch buddhistische Lamas: Wo ist das Leid hin, das damals erzeugt wurde? Und interessanter Weise haben die mir gesagt, es ist in erster Linie bei der Familie Wirtz. Und ich stelle mir vor, dass die Familienmitglieder, die zwar sehr viel Geld verdienen, doch sehr leiden müssen. Man tut nicht, sozusagen ungestraft, so viel Böses. Und irgendwie tun die mir leid. Die Contergan geschädigten Menschen tun mir auch leid. Aber ich möchte nicht in der Haut der Familie Wirtz stecken, weil da ist viel Schuld angesammelt. Und wir wissen zum Beispiel auch, dass der Chefchemiker von der Firma Grünthal seine ersten Experimente in Krakau in einem KZ gemacht hat. Sie tun mir leid und ich hoffe, dass sie irgendwann mal mit uns in Kommunikation treten und dass wir da mal drüber reden können.
[…]
Naja, ich kann ja entweder in einem Cape herumlaufen und meine Arme verstecken oder ich kann überhaupt so tun als wäre ich gar nicht behindert und so tun als gäbe es überhaupt gar kein Problem oder ich kann hingucken was ist. Und wenn ich dann vielleicht hingucke, ist das Problem vielleicht gar nicht mehr so groß wie ich dachte. Also Verdrängung führt meistens zu einer Verstärkung des Problems.
Niko von Glasow in einem Interview mit Readers Edition



Update: Sonntag, 11.November 2007 20:39

Artikelservice


0 Bewertung(en)
Loading ... Loading ...

Bookmarken bei: del.icio.us | Mister Wong | yigg.de | co.mments.com | Google
Gelesen: 435 · heute: 3 · zuletzt: 6. August 2008 | Drucken Drucken | Trackback-Link | Rivva
Diesen Beitrag versenden Diesen Beitrag versenden

Ähnliche Artikel


Sag es: Jetzt, hier und heute :-)

Quicktags:

Politik - Samstag, 2.August 2008 0:18 - 2 Kommentare

Beck meldet sich im Fall Clement

mehr in Politik


Kritisch - Dienstag, 5.August 2008 13:27 - 1 Kommentare

Vom Niedergang des Mutes

mehr in Gesellschaft


Unsortiert - Samstag, 2.August 2008 18:49 - 0 Kommentare

Wer kennt schon einen Olympiateilnehmer?

mehr in Unsortiert